Glosse: Vier Kerzen für Schulz

Am Sonntag ist es soweit: Die Kerzen des Adventskranzes kommen alle zum Leuchten, und Martin Schulz, der Präsident des Europäischen Parlaments, wird 60 Jahre alt. Zwei Ereignisse, die zusammengehören. Denn, dass Schulz inzwischen so etwas wie eine europäische Lichtgestalt ist, lässt sich nicht bestreiten. Wie kam es dazu? Das Spiritaner–Gymnasium verließ Schulz mit der Mittleren Reife, die von ihm angepeilte Karriere als Fußballspieler machte eine Verletzung zunichte. Es folgte laut „Wikipedia“ ein unstetes Leben als Buchhändler (bis 1994) und Politiker. Vom Bürgermeister von Würselen (38 000 Einwohner) zum EU-Parlamentarier – für Schulz ein Katzensprung. Zumal Schulz der kleinen Stadt bei Aachen ein Spaßbad bescherte, das nur deshalb funktioniert, weil man öffentliches Geld hineinpumpt. Spaß mit Schulden – gibt es eine bessere Qualifikation für ein hohes EU-Amt? Schulz ließ es nicht dabei, sondern legte sich 2003 mit dem damaligen italienischen Regierungschef und Medienunternehmer Silvio Berlusconi an, dem er einen „Virus der Interessenskonflikte“ vorwarf. Dass der Virus Schulz, der seit 2012 Parlaments-Präsident ist, nicht erfasst, dafür sorgt ein fast 40-köpfiger Mitarbeiter-Tross, den Henryk M. Broder in seinem Buch „Die letzten Tage Europas“ gediegen beschrieben hat. Sonst noch etwas? Ach ja, im Sinne der „Anti-Diskriminierung“ kämpft unser Ex-Fußballer gegen religiöse Symbole im öffentlichen Raum. Das Anzünden der vier Kerzen – eigentlich schon ein subversiver Akt. Herzlichen Glückwunsch! Stefan Meetschen