Glosse: Unsere beste Kommission

Vertrag von Maastrich, Dublin-Abkommen und 2018. Eine Glosse von Stefan Meetschen

Das Jahr nähert sich dem Ende, da tut es gut, auch mal ein wenig versöhnlichere Töne anzuschlagen und denen zu danken, die man gemeinhin mit professioneller Schroffheit behandelt. Wie zum Beispiel die von Jean-Claude Juncker und Frans Timmermans angeführte Europäische Kommission. Als Deutscher kann man diese Kommission eigentlich nur lieb haben. Wie oft hat die Bundesrepublik seit dem Vertrag von Maastricht gegen den Stabilitätspakt verstoßen, der die Verschuldung jedes EU-Mitgliedstaates regeln und begrenzen soll. Ernsthafte Konsequenzen haben die Defizite für Deutschland aber nie gehabt. Auch bei anderen Mitgliedsländern ging es stets glimpflich aus. Danke, Europäische Kommission, dass Du so gütig bist. Und was war da noch mit dem Dublin-Abkommen auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise? Richtig: Deutschland hebelte eigenmächtig die Asylregeln der Gemeinschaft aus, und die Europäische Kommission schickte ein zärtliches Mahnschreiben. Irgendwie alles nicht so schlimm, weil Deutschland solidarisch und menschlich gehandelt habe – na bitte! Trotzdem Danke. Wie wir natürlich auch nicht vergessen wollen, dass die Europäische Kommission penibel darauf achtet, dass die höchsten Richter der Bundesrepublik ohne jede politische Einflussnahme direkt vom Himmel fallen und punktgenau in Karlsruhe landen. Hurra! Auch dafür gebührt ihr Dank. Ebenso für das Wohlwollen, mit dem die Kommission die vollkommen freie und unabhängige deutsche Presse beschützt. So darf es 2018 weitergehen.