Glosse: Und wieder ein Weltuntergang

Von Bernhard Huber

Wer mit der Vorhersage von Weltuntergängen an die Öffentlichkeit tritt, braucht Mut: Die Trefferquote liegt immer noch bei Null. Mathematische Kenntnisse sind auch von Vorteil, um den Zeitpunkt des globalen Endes so präzise wie möglich zu berechnen. Der amerikanische Rundfunkprediger Harold Camping verfügt offenbar über beides. Nachdem nämlich bereits im September 1994 ein von ihm prognostizierter Weltuntergang nicht stattgefunden hatte, terminierte er erneut einen auf den 21. Mai 2011. Obwohl er sich auch damit blamiert hatte, rechnete er unverdrossen weiter, bis er einen dritten für den 21. Oktober 2011 ankündigen konnte. Welcher Mut. Im nächsten Jahr dürfte das Projekt Weltuntergang allerdings einen entscheidenden Schritt weiterkommen. Denn nach einer einschlägigen Prophezeiung des Maya-Kalenders wird unsere Erde genau am Freitag, dem 21. Dezember 2012, sich aus dem Sonnensystem verabschieden. Wer auf keinen Fall etwas verpassen möchte, sollte also den Umständen entsprechend umsichtig planen und für diesen Tag keine Termine annehmen. Aber auch wer den Weltuntergang nicht live miterleben kann, braucht sich keine Sorgen zu machen. Ihm entgeht nichts. Denn zum Glück war der endzeitliche Showdown schon immer ein beliebtes Thema der Traumfabrik Hollywood. So hat Roland Emmerich, der die Welt laut Welt-Online „wie kein Zweiter“ zerstört, schon vor über zwei Jahren zur Leinwandapokalypse „2012“ in die Kinos gebeten, und die wird uns demnächst im Rahmen der üblichen Wertschöpfung im Fernsehen vorgeführt. Damit steht jedoch schon fest: Auch der nächste Weltuntergang wird nicht der letzte sein, weil sich seine Energie in der Endlosschleife der TV-Wiederholungen in Wohlgefallen auflösen wird.