Glosse: Ta-ta, ta ta ta taaa

Von Stefan Meetschen

Das war knapp. Kaum hatte die „Bild“-Zeitung davon berichtet, dass die Titelfanfare der „ARD-Tagesschau“ abgeschafft werden würde, da ruderte der verantwortliche Redakteur von ARD-aktuell auch schon zurück. Die Melodie werde keineswegs „entsorgt“, hieß es in einer offiziellen Erklärung, sondern lediglich „überarbeitet“. Die Grundelemente der „Tagesschau“-Melodie würden selbstverständlich erhalten bleiben. Aus gutem Grund: Die „Tagesschau“ samt Titelmelodie ist eine Marke, die bei Generationen von Deutschen verwurzelt ist. Eine Gewohnheit, die den Tag, wenn nicht sogar das Weltbild bestimmt. War und ist es nicht so? Die Abschaffung der DM, der Schrecken des 11. Septembers, die Europäische Finanzkrise. Um 20 Uhr wurde und wird durch das vertraute Nachrichten-Ritual mit Bild und Sound die Ordnung ein stückweit wieder hergestellt. Ein Stabilitätspakt zwischen Medium und Nation, mit dem es so schnell kein anderer Sinnanbieter aufnehmen kann.

Oder vielleicht doch? Gab es da nicht einmal eine Institution, die sich mit Glockenklang regelmäßig und ohne Lärmbelästigungsklagen ins Bewusstsein der Menschen brachte und unumstritten Ordnung signalisierte? Eine Institution, die mit jahrhundertealten Formeln und Ritualen alle Neuigkeiten des Tages auf das rechte Maß zurechtstutzte, die Höhen und Tiefen des Seins von der Wiege bis zur Bahre einordnete?

Natürlich ändern sich die Zeiten und auch die „Tagesschau“ hat im Laufe von 60 Jahren immer wieder Veränderungen erfahren. Zu drastische Wechsel hat man aber vermieden. Zur Freude der Zuschauer und ihrer ungebrochenen Sehnsucht nach ein bisschen Geborgenheit in einer verrückten Welt. Auch andere Sinnanbieter sind gut beraten, diese Marken-Weisheit ernst zu nehmen.