Glosse: Starker Verstand, schwaches Herz

165 Millionen Jahre lang standen die Dinosaurier in der Nahrungskette ganz oben. Glaubt man den heutigen Biologen haben die gewaltigen Landwirbeltiere die festländischen Ökosysteme über diesen unvorstellbar langen Zeitraum vollständig dominiert. Vor 65 Millionen Jahren seien sie jedoch relativ plötzlich ausgestorben. Warum die Dinosaurier so sang- und klanglos von der Erde verschwanden, weiß auch heute niemand so genau. Während viele Forscher das Aussterben der oft bürohäuserhohen Tiere auf eine unglückliche Verkettung von Naturkatastrophen wie Meteoriteneinschläge und Vulkanausbrüche zurückführen, die lebensfeindliche Umweltbedingungen heraufbeschworen, betrachten andere das Massensterben der Dinosaurier als Folge eines Konstruktionsfehlers der Natur. Die mächtigen Körper hätte eine viel zu kleine Schaltzentrale besessen. Anders formuliert: Weil die potenten, ihrer Umwelt Furcht einflößende Körper lediglich impotente Gehirne beherbergt hätten, seien die Dinosaurier unfähig gewesen, sich den veränderten Umweltbedingungen anzupassen.

Das kann dem Menschen natürlich nicht passieren. Sein Gehirn ist derart potent, dass er trotz eines wenig Furcht einflößenden Körperbaus seine Pole-Position an der Nahrungskette in den vergangenen rund 200 000 Jahren immer wieder erfolgreich verteidigen konnte. Falls der Mensch überhaupt eine Schwachstelle hat, ist es sein Herz. Das kann sich laut Augustinus derart verkrümmen, dass es sich gegen alles verschließt, was nicht es selbst ist. Leider scheint gegen die Schwäche des Herzens selbst das potente Hirn des Menschen machtlos zu sein. Dann hält es an Überzeugungen fest wie die Erde sei eine Scheibe, die Sonne kreise um die Erde und Kernenergie sei beherrschbar. Stefan Rehder