Glosse: Spiel, Satz und Leben

Von Stefan Meetschen

Babs hat mich geschlagen, Sandy hat mich nur ausgenutzt – es sind erschütternde Wahrheiten, die Tennis-Legende Boris Becker (45) in seiner Autobiographie „Das Leben ist kein Spiel“, die in der kommenden Woche auf den Markt kommt, der Menschheit mitteilt. Einmal mehr, da der Mann aus Leimen bereits vor zehn Jahren mit „Augenblick, verweile doch...“ seine erste Autobiographie vorgelegt hat. Weitere Wimbledon-Titel hat er seitdem nicht gesammelt, aber jede Menge Kilogramm Lebenserfahrung, die sich in die Quintessenz bringen lassen: Frauen sind gar nicht so böse wie man denkt, sondern noch viel gemeiner. Ach, wie traurig! So traurig, dass man nur hoffen kann, dass seine derzeitige Ehefrau Lilly in nächster Zeit keine größeren Dummheiten anstellt, obwohl die Dummheiten (Stichwort „Besenkammer“) im Leben Beckers doch eigentlich immer Männersache waren. Wie es anders geht, wenn auch nach christlichen Maßstäben nicht perfekt, zeigt uns fast zweihundert Jahren nach seinem Ableben Goethe, diesmal in einer Biographie von Rüdiger Safranski, die seit Wochen die Bestsellerlisten anführt. „Goethe. Das Kunstwerk des Lebens“ heißt das 752 Seiten umfassende Werk und darin finden sich so schöne Merksätze wie „Genie schützt nicht vor Lebensdilettantismus“. Goethe wusste eben, dass es nicht darauf ankommt, medial gut vernetzt zu sein; am wichtigsten ist der Wille zur Selbstbewahrung, der Mut, sich nicht Situationen auszusetzen, die einem schaden. Ab kommender Woche reicht das leider nur noch für Platz Zwei.