Glosse: Schlachtfest bei der CDU

Von Bernhard Huber

Erst hat sie sich in Windeseile einen grünen Anstrich namens „Energiewende“ verpasst, dann haben sich etliche ihrer Abgeordneten für die Präimplantationsdiagnostik (PID) an der Preisgabe des Lebensrechts Ungeborener beteiligt, und als nächstes steht die Hauruck-Modernisierung des Schulsystems auf ihrer Agenda. Um kein Missverständnis aufkommen zu lassen: Wir reden von der Christlich Demokratischen Union Deutschlands. Nachdem andere bereits daran gescheitert sind, glaubt nun auch sie, unsere Bildungslandschaft umpflügen zu müssen. Auf dem Boden der Bundesrepublik Deutschland, aber nicht unbedingt auf demjenigen des Grundgesetzes, will sie eine hochmoderne, leistungsfähige, demografiefeste, wirtschaftskompatible und natürlich unablässig Fachkräfte produzierende „Bildungsrepublik“ errichten. Für diese Vision, die dem Parteitag im November als Leitantrag vorgelegt wird, ist der Bundesvorstand bereit, eine weitere heilige CDU-Kuh, das dreigliedrige Schulsystem, zur Schlachtbank zu führen. Offenbar ist den Oberen dieser Partei, die wir in dankbarer Erinnerung gerne noch einmal „Volkspartei“ nennen, der Sinn für die Hauptschule abhandengekommen. Anders lässt sich nicht erklären, warum sie diese Schulform aus dem Geäst des Schulsystems herauspräparieren und der Realschule einpfropfen möchte. Sie sollen beide als Oberschule austreiben und veredelte Bildungsabschlüsse abwerfen. Und weil man gerade dabei ist und man so jung nicht mehr zusammenkommt, liebäugelt die CDU nebenbei auch noch mit dem Plan, „das letzte Kindertagesstättenjahr in ein verpflichtendes Vorschuljahr umzuwandeln“. Sie hätte natürlich auch gleich sagen können, dass ihr inzwischen das Grundgesetz den Buckel runterrutschen kann. Denn das postuliert erstens den elterlichen Erziehungsprimat und untersagt zweitens Vorschulen. Fragt sich nur, wie eine Partei die Mitte sein kann, wenn sie selber keine mehr hat.