Glosse: Repariert mit neuer Garantie

Geahnt haben wir es immer schon: Waschmaschinen, Glühbirnen, Drucker – viele Produkte gehen heutzutage nicht zufällig kaputt, sondern mit Absicht. Vom Hersteller eingebaute Sollbruchstellen sorgen dafür, dass kurz nach Erlöschen der Garantie etwas nicht mehr funktioniert und der Kauf eines neuen Gerätes erforderlich wird. Eine Studie belegt dieses unfaire Produzenten-Verhalten nun, ändern wird sich wahrscheinlich aber nichts. Wer hat denn schon die Zeit und das Know-How, um alle potenziellen Sollbruchstellen seines Autos, Computers oder Rasenmähers vor dem Kauf zu checken? Vertrauen ist gefährlich, Kontrolle nicht möglich.

Wie anders ist es dagegen beim Christentum, das in diesen Kar- und Ostertagen auf sein wesentliches Mysterium zusteuert. Sind wir Menschen nicht alle mit unseren ganz persönlichen Sollbruchstellen ausgestattet, seit unsere Produkt-Eltern Adam und Eva der Versuchung im paradiesischen Supermarkt nicht widerstehen konnten und nach dem Apfel griffen? Eigentlich schien damit unsere Garantie endgültig abgelaufen zu sein. Doch der allmächtige Produzent im Himmel hatte einen genialen Plan: Er nahm das menschliche Sortiment nicht zurück, sondern schickte seinen Sohn als ultimatives Service-Angebot für jedermann auf die Erde. Kein leichter Reparatur-Service, wenn man genau hinsieht. Nicht wahr? Es kostete ihn Blut, Tränen und sogar das Leben. Doch seit seiner wundersamen Auferstehung ist die Ordnung zurück. Die Garantie ist verlängert worden. Alles heil. Vertrauen genügt! Stefan Meetschen