Glosse: Peter Tauber im Shitstorm

Von Stefan Meetschen

Es läuft gut für die Union. Bundeskanzlerin Angela Merkel liegt in den Umfragen weit vor ihrem „gefährlichsten“ Herausforderer Martin Schulz von den Sozialdemokraten. Das in dieser Woche von Merkel und Horst Seehofer vorgestellte Wahlprogramm von CDU/CSU wirkt so geschmeidig und glatt, dass man sich kaum noch an die Dissonanzen erinnert, die zwischen beiden auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise erkennbar wurden. Friede, Freude, großer Wahlerfolg. So sieht es aus. Oder besser: So sah es aus bis zu dem berüchtigten Tweet von CDU-Generalsekretär Peter Tauber, der sich bei twitter zu der Aussage hinreißen ließ „Wenn Sie was Ordentliches gelernt haben, dann brauchen Sie keine drei Minijobs“. Ein missverständlich bis arrogantes Statement, das Tauber inzwischen geradegerückt hat. Hilft alles nichts. Die Netzgemeinde ist erzürnt. Der shitstorm tobt. Christdemokraten wirken nun wie die Verkörperung von sozialer Kälte und vollkommener Abgehobenheit von der Realität. Denn natürlich gibt es in Deutschland jede Menge Leute, die sich beruflich nach der Decke strecken müssen, obwohl sie eine tolle Ausbildung haben. Nur ist die reale Lohnwelt leider eben nicht immer so märchenhaft wie etwa ein Parteiwahlprogramm. Was nun, Herr Tauber? Den Generalsekretärposten zur Buße in einen „Minijob“ umwandeln? Keine privaten Postings mehr bis zum Wahltag, um den inneren Trump auszukurieren? Eine Einsicht scheint nötig. Als Generalsekretär kämpft man mit harten Bandagen, aber nicht gegen die Wähler, sondern die politischen Mitbewerber.