Glosse: Noch ein Brief an die FDP

Sehr geehrter Herr Brüderle, vor ein paar Tagen haben Sie die Bundesbürger wieder einmal mit einem Brief überrascht. Ich sage „überrascht“, weil die Bundesbürger ja nicht alle Tage einen von einem „Bundesminister für Wirtschaft und Technologie a.D.“ unterschriebenen Brief bekommen, in dem dieser erklärt, dass „wir in Deutschland keinen Raubtierkapitalismus, sondern die Soziale Marktwirtschaft“ haben, die „wir im Bundestag aktiv gestalten“. Weiter schreiben Sie, Herr Brüderle: „Wir stehen für Wachstum“ und „Wir stehen für Verantwortung“ und „Wir stehen für die Stabilität des Geldes“. Als Glossist dieser Zeitung bin ich trotzdem ein bisschen enttäuscht, denn ganz offensichtlich haben Sie, Herr Brüderle, meine Glosse vom 21. Mai dieses Jahres nicht zur Kenntnis genommen. Darin ging es ebenfalls um einen Brief von Ihnen, in dem Sie den Bundesbürgern ebenfalls erklärten, wofür die Liberalen stehen, nämlich für Wachstum, für stabiles Geld, für ..., na, Sie wissen schon. Damals wie heute haben Sie Ihrem Brief eine Antwortkarte beigelegt, mit der die Angeschriebenen „DialogPartner“ der FDP werden können. Was ich damals bemängelte, Herr Brüderle, war unter anderem Ihr fahrlässiger Umgang mit Pronomen – daran hat sich bis heute leider nichts geändert. Auch in Ihrem jüngsten Schreiben steht im Kleingedruckten folgender Satz: „Wir geben Ihre Daten nicht an Dritte weiter und nutzen Sie ausschließlich zum Dialog mit Ihnen.“ Mit Verlaub, Herr Brüderle, ich lasse mich nicht zum Dialog benutzen – und schon gar nicht mit mir selbst! In der Hoffnung, dass die Botschaft dieses Mal ankommt, grüßt Sie, Ihr Andreas Wodok