Glosse: Nicht fertig geworden

Von Guido Horst

Barak Obama, das hat er jetzt offen zugegeben, braucht weitere vier Jahre. Vier Jahre, in denen er das zu Ende bringt, was er 2008 begonnen hat. 2008? Ist das schon so lange her? Und jetzt will der Mann nochmals bis in die unendliche Ferne des Jahres 2016 regieren. Ob es uns da überhaupt noch gibt? Normalerweise verweist ein Politiker auf die Erfolge der zurückliegenden Amtszeit und begründet damit seinen Anspruch auf Verlängerung. Anders bei Obama. Er ist nicht fertig geworden. Und Michelle gefällt es so gut im Weißen Haus, dass man ihrem Barack ruhig noch etwas Zeit gönnen sollte. Sehr einleuchtend! Sehr demokratisch! Aber ist es in Russland besser, wo sich Putin alle vier Jahre recyceln lässt? Wie gut doch, dass die Kirche keine Demokratie ist und jeder Amtsinhaber so viel Zeit bekommt, wie er will, um bis zur Verrentung seine Projekte durchzuziehen. Schon einmal daran gedacht, einen Bischof nur für vier Jahre zu ernennen – und sein Mandat allenfalls dann zu verlängern, wenn er nicht fertig geworden ist? Was wiederum zu der fast schon philosophischen Frage drängt, was das überhaupt heiß, „fertig zu werden“. Vielleicht ist Kirche ja deshalb keine Demokratie, weil in ihr nie irgendetwas „fertig wird“ und keiner eine Mandatsverlängerung erbitten kann, wenn er nicht „fertig geworden“ ist. Obama beruft sich auf die „Probleme“, die sein Land in den vergangenen Jahrzehnten – oder meint er Jahrhunderte? – angehäuft hat. Was soll denn da die Kirche sagen? Als „semper reformanda“, als „immer zu reformierende“, wird sie auf Erden nie ihre Vollendung erleben. Die Vereinigten Staaten übrigens auch nicht. Darum war das völliger Käse, als Obama vor vier Jahren als „Messias“ antrat – und leider nicht fertig geworden ist.