Glosse: Ministerin für den Angriff

Von Stefan Meetschen

Voll Rührung erinnern wir uns an den Auftritt Ursula von der Leyens bei der Sendung „Wetten, dass...“ im Jahr 2008, als die CDU-Politikerin sich von Schauspiel-Beau Hugh Jackman verzückt durch den Saal tragen ließ. Halb zog er sie, ganz sank sie hin. Solch eine Frau an der Spitze eines Ministeriums, dachten wir, das müsste eigentlich für Staatssekretäre und andere Spitzenbeamte zu schaffen sein. Hier und da mal eine Schachtel Pralinen, Blumen und das richtige Kompliment zur richtigen Zeit – den Rest würde die eigene Kompetenz erledigen. Wir haben uns getäuscht. Nicht nur, was die Kompetenz von Staatssekretären betrifft, sondern auch in Frau von der Leyens „Rambo“-Qualitäten. Erst wenige Wochen als Verteidigungsministerin im Amt, kann sie schon eine respektable Abschussliste vorweisen. Zuerst eröffnete sie gegen den sicherheitspolitischen Fachmann Christian Schmidt (CSU) das Feuer, der als Landwirtschaftsminister nun für die Sicherheit der Bauernhöfe zuständig ist. Dann fiel Staatssekretär Rüdiger Wolf den rauchenden Colts der Ministerin zum Opfer. In dieser Woche mussten Staatssekretär Stéphane Beemelmans und der Abteilungsleiter Rüstung, Detlef Selhausen, dran glauben: Das Millionen-Debakel um die Aufklärungsdrohne „Eurohawk“ und andere Ungereimheiten – die Mutter der Kompagnie hatte genug. Schuss und Schluss. Muss man nun Angst haben, dass sich das Verteidigungsministerium unter von der Leyen zum Angriffsministerium entwickelt? Vielleicht. Dann hilft uns nur noch Hugh Jackman als Staatssekretär.