Glosse: Luzifer wird hoffähig

BILD verkündete jüngst: „Jetzt regiert Luzifer“. Wie jetzt? Haben die Jungs von AC/DC die Pforten zur Hölle geöffnet? War Lemmy Kilmisters Tod nur ein Werbe-Gag? Nein. Es geht auch nicht um das Crowley-Tarot, noch um Chemtrails über Stonehenge. Wir reden vom Wetter. Früher bekamen alle Hochdruckgebiete einen männlichen Vornamen, alle Tiefs einen weiblichen. Das wurde auf Empfehlung der „Weltorganisation für Meteorologie“ geändert. Recht so, schließlich ist ein Luftdruckgebiet nicht der Tätigkeitsnachweis von Gewitterziegen. Apropos, schon die Rolling Stones wussten, dass die Ziege ein Symbol für den Teufel ist. „Goats head soup“, ihr 1973er Album zeugt davon.

Seit der Hippie-Ära dringt das okkulte Treiben munter in alle Nischen der Gesellschaft. Im Astro-TV stellen Gaga-Propheten Engelkontakte her, und Satan-Tattoos grinsen uns von jedem zweiten Oberarm an der Bushaltestelle an. Wer hat noch nicht, wer will noch mal: „,Luzifer‘ bringt Gewitter und Brände nach Italien“, verkündet die FAZ. Ein wenig unterkühlter schwadroniert DIE WELT: „Hoch ,Luzifer‘ lässt Touristen auf Mallorca schwitzen.“ Warum, zum Teufel, heißt die Hitzewelle „Luzifer“? Weil Wetterfeen die Voraussagen aus der Kristallkugel machen? Nein, sie sind ebenso schuldlos wie die Redakteure, die sich am Wortspiel „höllisch heiß“ ergötzen.

Die Götzendienerei ist so weit gediehen, dass Luzifer hoffähig gemacht wird. Kaum merklich, quasi durch die Hintertür, und man kann dabei sogar sonnenbaden. Pfui Deibbel, da holt man sich doch glattweg einen teuflischen Sonnenbrand. Man sollte in diesen heißen Zeiten eben nicht nur auf Sonnencreme mit dem höchsten Lichtschutzfaktor achten, sondern auch darauf, dass der Kontakt zum wirklichen Lichtbringer nicht abreißt. Der heißt bekanntlich Jesus Christus. Oskar M. Jacobsen