Glosse: Lernt Limburg von München?

Von Markus Reder

Ulrich Hoeneß, den alle nur Uli nennen, hat ein Problem. Schuld daran ist er selbst. Der Uli kann gut mit Geld umgehen. Das ist kein Problem, sondern eine Begabung. Längst nicht jeder Fußballer und Bratwurstfabrikant kann so gut mit Geld wie der Uli. Wie gut er das kann, sieht man an seinem Verein, dem FC Bayern München. Dass die so gut dastehen, haben sie besonders dem Uli zu verdanken. Der hat eben Ahnung – vom Fußball, vom Geld und von der Wurst. Doch um seine Wurstfabrik geht es hier nicht. Um die Wurst dagegen schon. Zumindest für den Uli. Der muss nämlich vor Gericht, weil er Steuern hinterzogen hat. Das geht gar nicht, auch nicht, wenn man Ahnung von Geld hat. Deshalb hat der Uli jetzt ein ernstes Problem. Ein Problem hat auch der Bischof von Limburg, den inzwischen alle nur Tebartz nennen. Auch bei ihm geht es um Geld. Aber nicht um Steuern, sondern um Baukosten. Deshalb verbietet es sich, den „Fall Tebartz“ und den „Fall Uli“ zu vergleichen. Das geht aber sowieso nicht. Denn die Bayern halten – trotz allem – am Uli fest. In Limburg dagegen will das Domkapitel seinen Bischof sofort loswerden. Dabei ist in Limburg noch nicht einmal geklärt, wer wie woran genau Schuld hat. Beim Uli dagegen schon. In dieser Situation hat der Franz, den alle nur Kaiser nennen, einen interessanten Satz gesagt und davor gewarnt, den Uli gesellschaftlich zu ächten: „Ich denke, wir sollten niemanden verurteilen, der mal einen Fehler gemacht hat. Selbst die katholische Kirche gewährt eine zweite Chance.“ Das gilt zwar nicht für das Limburger Domkapitel, geht aber theologisch klar in die richtige Richtung. Streng genommen gibt die Kirche reuigen Sündern immer wieder eine Chance. Das weiß Beckenbauer vielleicht nicht, aber der ist entschuldigt. Schließlich ist er nur der Kaiser und nicht der Papst. Umso bemerkenswerter, wenn der Kaiser einem Domkapitel Katechese-Nachhilfe gibt.