Glosse: Lateinische Redewendungen

Latein hin, Bildungssprache her – kirchliche Redewendungen erfreuen sich auch im 21. Jahrhundert großer Beliebtheit. Wer kennt nicht die Formel „Habemus Papam“, die mittlerweile nicht nur bei neugewählten Päpsten, sondern sogar schon – in profanisierter Fassung – bei neuen Fußballtrainern und Präsidenten Eingang in den Alltagssound gefunden hat? Auch das auf Augustinus zurückgehende „Roma locuta, causa finita“ (Rom hat gesprochen, die Sache ist entschieden) wird in anspruchsvollen Büros oder Kanzleien gern benutzt, um auszudrücken, dass ein Fall entschieden ist und damit zu den Akten gelegt werden kann. Etwas weniger bekannt hingegen ist der Ausdruck „Non possumus“ mit der Bedeutung von „Wir können nicht“. Was auf den ersten germanischen Blick schnell als Schwäche oder Unvermögen ausgelegt werden könnte, war im Laufe der Kirchengeschichte häufig genau das Gegenteil. Als man den frühen Christen im römischen Reich unter anderem die Eucharistiefeier unter Todesandrohung verbieten wollte, lautete die mutige Antwort in der Langfassung: „Sine dominico non possumus“ (Ohne diese Sache des Herrn können wir nicht leben). Später wurde der Ausdruck häufig von standhaften Päpsten benutzt, die mit politischen Mächten zu kämpfen hatten. Im kommunistisch besetzten Polen des 20. Jahrhunderts antwortete Kardinal Stefan Wyszynski mit „Non possumus“ auf den arroganten Versuch der Partei, die Kirche auf ihre Linie zu bringen. Er kam in Haft, sah wie der Verlierer aus. Heute läuft sein Seligsprechungsprozess. Stefan Meetschen