Glosse: Kinder künftig ohne Maulkorb

Ja, liebe Jungen und Mädchen, da habt ihr noch mal Glück gehabt! Das Bundeskabinett, also die Regierung von Deutschland, hat nämlich am Mittwoch beschlossen, dass die Erwachsenen sich künftig nicht mehr so leicht vor Gericht darüber beschweren können, dass ihr, liebe Kinder, Lärm macht. Ihr wisst schon, Lärm, das ist, wenn der Daniel auf dem Hof gaaanz laut und gaaanz oft „Tooor!“ ruft und der Robin das noch lauter abstreitet, weil nämlich der Ball gaaanz klar reeechts neben der Jacke, also dem Torpfosten, vorbeigegangen ist und nicht liiinks. Oder wenn die Lale die Nadja mal wieder an den Haaren zieht und die deshalb sooo laut schreiiit, dass sich sogar die Frau Meier die Ohren zuhält – und das, obwohl die Frau Meier ja schon ewig im Kindergarten arbeitet. Auch Lachen, Singen und Rumalbern dürft ihr, liebe Kinder, weiterhin, also sagt brav Danke zu Tante Angela. Und ja, liebe Erwachsene, auch Sie dürfen ruhig mal die Leistung der Bundesregierung anerkennen.

Denn die ändert das Bundesimmissionsschutzgesetz (BImschG) nicht nur in Sachen Kinderlärm, sondern sie hat auch an die älteren Bevölkerungsteilnehmer gedacht. So dürfen Jogger künftig selbst in dicht besiedelten Wohngebieten sooo laut und schnell aaatmen, dass ihre sportlich bedingt höhere Sauerstoffaufnahme gewährleistet ist. Für Pizza-Bäcker und andere Anbieter von zum schnellen Verzehr gedachten Lebensmitteln hebt das BImschG alle Geruchsemissionsgrenzwerte bei der Herstellung der Produkte auf – egal, ob die Anbieter einen Migrationshintergrund haben oder nicht. Für die älteren Mitbürger bleibt alles wie gehabt: Die Geschwindigkeitsbegrenzung für Rollatoren gilt nur, wenn a) keine Gummireifen montiert sind und b) auf Kopfsteinpflaster gefahren wird.