Glosse: Katholisches Testurteil

Menschen haben Fehler, Menschen machen Fehler. Das gleiche gilt für Unternehmen. Deshalb ist es gut, dass seit fast 50 Jahren die Stiftung Warentest verschiedene Dienstleistungen und Waren der Bundesrepublik prüft und benotet. Von Autos bis Staubsauger, von Krankenkassen bis Zinsen. Gerade rechtzeitig zum Weihnachtsfest hat sich die Stiftung nun eines kulinarischen Genussmittels angenommen – dem Adventskalender mit Schokoladenfüllung. So beliebt diese bei Kindern auch sind, so gesundheitsschädigend kann der Verzehr der kleinen Schokostückchen sein. „Zuviel Mineralölbestandteile durch Kartonverpackung“ urteilt die Stiftung. Einige Konfiseries müssen jetzt nachbessern. Kinder, im Unterschied zu Autos, beziehen ihre Energie nämlich stärker aus Vitaminen als aus paraffinischen und naphthenischen Bestandteilen.

Wichtig für die kindliche Entwicklung sind aber auch gute Lerninhalte. Und das Lesen allgemein. Märchen zum Beispiel gehören, trotz einiger brutaler Stellen, seit Jahrhunderten zum kindgerechten Lektürekanon. Wie natürlich auch die Weihnachtsgeschichte. Vielleicht deshalb hat die katholische Verlagsgruppe Weltbild versehentlich die biblische Weihnachtsgeschichte in der Werbung für die Edition „Nostalgischer Märchenschatz“ platziert. Natürlich weiß man gerade bei Weltbild, dass es sich bei der Geburt Jesu um wahren Stoff handelt. Die Verlagsgruppe hat sich für den Fehler bereits entschuldigt. Dafür gibt es das Testurteil „gut“. Wir behalten das Sortiment aber im Blick. Stefan Meetschen