Glosse: Jobvermittlung, die schockt

Von Stefan Meetschen

Manche Berufe haben eine lange Tradition, die Beschäftigten zahlen Steuern und arbeiten mit der Genehmigung der Behörden, doch einen guten Ruf genießen die Erwerbstätigen dieser Branchen dennoch nicht. So ist es – sicher zu Recht – bei Politikern und Journalisten, so ist es aber auch bei Ausübenden des horizontalen Gewerbes. Umso größer war der Schock bei einer 19-jährigen Augsburgerin, als sie von der Arbeitsagentur einen Job in einem Bordell angeboten bekam. Die Frau sollte an der Theke Getränke ausschenken. Voraussetzung sei, so berichtet die „Augsburger Allgemeine“, ein „ansprechendes Auftreten“. Moment mal! Job-Vermittlung im Rotlichtmilieu? Darf das die Arbeitsagentur denn überhaupt? Schließlich kann doch zum Beispiel niemand gezwungen werden, FDP-Vorsitzender oder Glossenschreiber zu werden? Das stimmt. Seit dem von Rot-Grün verabschiedeten Prostituierten-Gesetz von 2002 ist „Sexarbeiterin“ allerdings ein legaler Job. Und ein Job, der nach deutschem Recht als nicht sittenwidrig eingestuft wird. Was in Berlin übrigens sogar schon mal zur Kürzung des Hartz-IV-Satzes bei einer arbeitslosen Programmiererin geführt hat, als diese sich weigerte, in einem Bordell zu arbeiten.

Wie lässt sich das Problem lösen? Vielleicht wäre es ein guter Anfang, das absurde Prostituiertengesetz einer Revision zu unterziehen. Sollte dafür zur Abwechslung mal ein roter-grüner Skandal nötig sein, stehen die Abiturarbeiten von Jürgen Trittin und Claudia Roth doch sicher zur Verfügung.