Glosse: Italien siegt an Rhein und Ruhr

Von Guido Horst

Da werden die Zeitungsauswerter in der Deutschen Botschaft in Rom nicht schlecht gestaunt haben: Sämtliche italienischen Blätter machten gestern mit der „Ruhmestat“ der CDU in Nordrhein-Westfalen auf – wobei es allen Zeitungen entgangen war, dass es dort auch einen Spitzenkandidaten der arg gebeutelten Union gegeben hat. Nein, es war Angela, die ihr Waterloo erlebte – was ja auch nicht ganz so falsch ist.

Aber die Heftigkeit, mit der die Medien im Stiefelstaat einen „crollo“, einen regelrechten „Zusammenbruch“ der Kanzlerin ausmachen wollten, lässt tief in die italienische Seele blicken. Und Hannelore, die neue Kraft, ihren Namen kennt nun über Nacht in Italien jeder. Dass der Wechsel von Berlusconi zum Sparkommissar Mario Monti und seiner rigiden Sanierungspolitik etwas mit Merkel und Sarkozy zu tun hatte, hat den Stolz der Italiener offensichtlich sehr verletzt. Erst haben die Franzosen Sarkozy für diese Missetat abgestraft und seinem Herausforderer Hollande den Vorzug gegeben. Und nun waren die Wahlbürger in Nordrhein-Westfalen an der Reihe, Frau Merkel einen Denkzettel dafür zu verpassen, wie sie den Cavaliere zum Rücktritt zwang. Das ist, grob zusammengefasst, die Quintessenz der Berichterstattung in Italien über den Urnengang an Rhein und Ruhr.

Im Grunde dreht sich das politische Geschehen in Europa also doch um Rom. Das war ganz früher so, das war zu den Zeiten des Kirchenstaats so – und warum sollte es heute anders sein? Die Ewige Stadt bleibt „caput mundi“ – die Hauptstadt der Welt. Auch die Menschen in Nordrhein-Westfalen, stellt der Leser italienischer Zeitungen zufrieden fest, scheinen das nun begriffen zu haben. Italien hat die Niederlage Merkels wie einen Sieg gefeiert. Und zwar wie einen eigenen.