Glosse: In geheimer Twitter-Mission

Was macht man, wenn man Geheimdienstchef war und sich an digitalen Netzwerken beteiligen möchte? Einen eigenen Account mit authentischem Foto und Namen einrichten und munter drauflos schreiben? Viel zu einfach! Das hat sich offensichtlich der frühere FBI-Boss James Comey gedacht, der Anfang dieses Jahres durch seine Auseinandersetzungen mit dem derzeitigen US-Präsidenten (der Name liegt der Redaktion vor) weltbekannt wurde, aber auch seine Stelle verlor. Ohne Profilbild und unter dem Namen des amerikanischen Theologen Reinhold Niebuhr (1892–1971) ist Comey, wie die NZZ berichtet, weiterhin beim Kurznachrichtendienstleister Twitter in geheimer Mission unterwegs, auch wenn er inzwischen seine wahre Identität preisgegeben und bestätigt hat, der Mensch hinter dem theologischen Avatar zu sein. Und was postet James Comey alias Reinhold Niebuhr? Am 22. Oktober war es ein Foto von weißen Pelikanen und der mysteriöse Satz „...denke an Niebuhrs Gelassenheitsgebet“, der eine gewisse Persönlichkeitsverunsicherung nicht ausschließt. Auch der Tweet vom 23. Oktober („Goodbye, Iowa. On the road home. Gotta get back to writing. Will try to tweet in useful ways.“) wirft mehr Fragen auf, als dass er Dinge klärt. Sicher ist nur: Comey schreibt, wenn er nicht unterwegs ist, zuhause ein Buch. Aber worüber und unter welchem Namen? Wir können nur spekulieren. Und noch eine Frage: Wäre die digitale Welt ein besserer Ort, wenn wir dort alle unter dem Namen eines bekannten Theologen präsent wären? Aurelius Augustinus