Glosse: Gurlitts neues Geheimnis

Von Stefan Meetschen

Spätestens seit Wolfgang Hildesheimers Satiren über den Kulturbetrieb, den „Lieblosen Legenden“, ahnten wir, dass sich ins Umfeld der Bretter und Leinwände, die die Welt bedeuten, zuweilen recht schräge Vögel verirren. Existenzen, die mit entrückter Kunst handeln und dabei selbst eine entrückte Gestalt annehmen. Cornelius Gurlitt, der Mann, über den die Welt spricht, weil er 1 400 verschollen geglaubte Kunstwerke in einer Wohnung in München versteckt hielt, ist in dieser Hinsicht keine Ausnahme, sondern ein Musterbeispiel. Zumal niemand genau sagen kann, wo sich Gurlitt, der Sohn eines Kunsthändlers, zurzeit aufhält. In München ist er nicht. Sein Haus in Salzburg scheint unbewohnt. Ist er vielleicht gar nicht mehr am Leben? Ausschließen kann man nichts. Vor allem seit Gurlitts Cousin gegenüber der Bild-Zeitung behauptet: „Gurlitt weiß, wo das Bernsteinzimmer ist.“ Sprich: Gurlitt kennt angeblich den Aufenthaltsort des sagenhaften Prunkzimmers, das Friedrich I. dem russischen Zaren zum Geschenk machte und das Wehrmachtssoldaten samt der mit Bernstein besetzten Paneelen abbauten. Nun, wenn das so ist, möchten wir uns auch ein wenig in die aktuelle Eigentumsfragerunde einmischen. Wir vermissen nämlich seit einiger Zeit einen gewissen Kelch, der eng mit der Gründung unserer Organisation im Zusammenhang steht, dann leider verloren ging und bisher weder von Parzifal noch von Indiana Jones wiedererlangt wurde. Könnte man also bitte prüfen, ob in Gurlitts Wohnung noch alle Schalen und Tassen im Schrank sind? Vielen Dank!