Glosse: „Google Glass“ – Die NSA sieht mit

Von Stefan Rehder

In den USA will der Internetkonzern Google heute mit dem Verkauf seiner Datenbrille „Google Glass“ starten. Die derzeit verfügbaren Exemplare zum Stückpreis von 1 500 Dollar würden, prophezeit das Unternehmen, nicht einmal für einen Tag reichen, so groß sei der zu erwartende Ansturm. Die internetfähigen Brillen sind mit Kamera und einem Display ausgestattet und können von ihren Trägern sowohl per Sprachsteuerung als auch mittels eines Touchpads am Brillenbügel bedient werden. Der US-Geheimdienst NSA soll unbestätigten Berichten zufolge bereits über ein Programm verfügen, mit dem er die Videos, die die Träger von ihrer Umgebung anfertigen (die Laufzeit des Akkus soll 45 Minuten betragen), sammeln und auswerten kann. Das Weiße Haus ließ wissen, die NSA interessiere sich dabei nur für Brillenträger, die etwa Aufnahmen von der Ausbildung in Terrorcamps machten. Für Videos vom Strandurlaub in Malibu interessiere man sich erst, wenn militante Islamisten auch dort mit der Anwerbung von Terroristen begännen. Der Verband der Kaufhausdetektive in Deutschland fürchtet einen Image-Schaden. „Google Glass“ könne „bei ganz normalen Menschen die Illusionen wecken, wonach in Datenbrillenträger auch ein ,Westentaschen-Bond‘“ stecke. Dies könne „mittelfristig“ die Akzeptanz des Detektivs in der Bevölkerung gefährden, so der Verband. Der Deutsche Richterbund wies darauf hin, es müsse geklärt werden, ob mit der Brille aufgenommene Videos vor Gericht als Beweismittel zugelassen werden sollten und warnte vor einer neuen Welle von Nachbarschaftsprozessen. Viele Richter benötigten Supervision, sollte ihnen künftig die Prüfung von „Bild-und-Ton-Dokumenten“ vom „Streit über den Zaun“ zugemutet werden.