Glosse: Goldene Windbeutel

Von Andreas Wodok

Weil der Mensch angeblich ist, was er isst, sorgen Meldungen über Lebensmittel immer für viel Aufmerksamkeit. Landwirtschaftsminister Christian Schmidt zum Beispiel überraschte die Bundesbürger dieser Tage mit der Konjugation „Sie sollten essen, ich sollte essen, wir sollten essen.“ Gemeint waren jene zig Tonnen Äpfel, die wegen des russischen Importverbots nun im Lande bleiben und zu verfaulen drohen. In Österreich und Polen laufen ähnliche Aktionen; andernorts schütten sich die Menschen stattdessen Eiswasser über den Kopf – was beides miteinander zu tun hat, wird derzeit noch geklärt. Glasklar ist dagegen, dass der Bio-Apfelsaft von Coop naturtrüb ist, weil aber die Äpfel dafür nicht – wie in der Werbung versprochen – „aus der Region, für die Region“ sind, hat der Lebensmitteloberaufseher foodwatch den Saft für den „Goldenen Windbeutel 2014“ nominiert. Um diese Auszeichnung als „dreisteste Werbelüge des Jahres“ buhlen noch andere namhafte Kandidaten, darunter Coca-Cola mit seinem „Vitaminwater“ und Unilever mit einer Hühnersuppe, die alles Mögliche enthält, nur kein Huhn – sieht man von dem einen Prozent Fett einmal ab. Oder Aletes Trinkmahlzeit für Kleinstkinder, die angeblich Karies fördert und zu Überfütterung führt. Japan dagegen hat ganz andere Sorgen – und doch haben auch die etwas mit Lebensmitteln zu tun. Das Handelsministerium hat gerade alle Japaner aufgefordert, Toilettenpapier für mindestens einen Monat vorzuhalten. Hintergrund sind die regelmäßigen Naturkatastrophen in Japan, nach denen es angeblich immer wieder zu Klopapier-Knappheit kommt. Jetzt gibt speziell verpacktes Papier für den „Notfallgebrauch“. Andreas Wodok