Glosse: Freier Geist und Mann

Von Stefan Meetschen

Was ist mit Europas Königen bloß los? Die Frage stellt sich, wenn man die aktuelle Hofberichterstattung verfolgt. Erst König Karl Gustav von Schweden, der mit Striplokal-Exzessen monatelang für Aufsehen sorgte und sich schließlich zähneknirschend entschuldigte, jetzt sein spanischer Amtskollege Juan Carlos. Er hat es gewagt, in Afrika auf Elefantenjagd zu gehen, während sein Heimatland dahinvegetiert und viele Jugendliche vor lauter Freizeit nicht wissen wohin. Durch einen Unfall kam es raus. Kein Kapitalverbrechen, eigentlich. Irgendetwas muss ein König von Spanien doch tun. Sich einfach nur an den Strand zu legen, wäre für den Blaublüter auch wirklich zu langweilig.

Doch die Zeiten des maskulinen Absolutismus sind vorbei. Auch Könige müssen sich der absoluten Transparenz beugen, Urlaubsanträge von Gleichstellungsbeauftragten genehmigen lassen. „Ich bedauere das. So etwas wird nicht wieder vorkommen“, säuselt der gefallene König nun in die Beichtkameras. War mehr im Busch als nur ein Elefant, folgt bald die Fortsetzung. Europas Monarchen, degradiert zu Pausenclowns?

Die Rolle spielte bisher ein Mann, der gar nicht mal König ist und aus eigener Sicht „nach der Verfassung gar nicht existiert“: Prinz Philip (90), Herzog von Edinburgh. San Francisco bezeichnete der Prinz einmal als „Nanny-Stadt“, weil er keine männlichen Beamten sah, rot gekleidete Schülerinnen als „Draculas Töchter“ und über seine Ehefrau, immerhin englische Königin, macht er ständig Witze, weil sie ihm jede „berufliche Aufstiegschancen“ verbaue. Lustig. Ein freier Geist, ein freier Mann – ohne Affären. Europas Könige sollten bei ihm ein Praktikum machen.