Glosse: Frei dank Fahrerflucht

Es sollte ein Schmiergeldprozess sein und es wurde einer: Formel-1-Boss Bernie Ecclestone hat das Landgericht München als freier Mann verlassen. Der Verdacht der Bestechung und Anstiftung zur Untreue, der ihm von der Staatsanwaltschaft zur Last gelegt worden war, konnte nach Angaben des Richters nicht sicher bewiesen werden. Das Verfahren ist eingestellt worden. Der 83-jährige Brite gilt nun als unschuldig und nicht vorbestraft. Er kann weiter seinen Beruf ausüben und das Abenteuer von schnellen Rennen und Überholmanövern genießen. Prima! Wir hatten uns ernstlich Sorgen gemacht um Bernie, denn derjenige, dem er nachweislich auf geheimen Wegen 44 Millionen Dollar hat zukommen lassen, um die Formel-1-Besitzanteile zu ändern, ist bereits rechtskräftig verurteilt worden – zu achteinhalb Jahren Haft. Da wir annahmen, dass für Bestochene und Bestecher gleiche Kriterien gelten, fürchteten wir, dass es eng werden könne für Bernie, aus dieser Gerichtskurve wieder heil herauszukommen. Was wir übersehen hatten war der sogenannte „Fahrerflucht“-Paragraph 153a der Strafprozessordnung, der bei kleineren Delikten wie etwa Fahrerflucht nach einer Kollision auf dem Parkplatz zum Tragen kommen kann. Mit Hilfe dieses Paragraphens genügt es, wenn der nicht vorbestrafte Beschuldigte eine angemessene Geldstrafe zahlt. Genau das will Bernie diese Woche tun. 99 Millionen Dollar sollen an den Freistaat Bayern gehen, eine Million an eine Kinderhospizstiftung. Na dann, weiterhin gute Fahrt, Bernie. Von Autos verstehst Du wirklich was! Stefan Meetschen