Glosse: Exoplanet gesucht

Im „Natural History Museum“ in London kann noch bis zum 15. Mai die Fotoausstellung „Otherworlds. Reise durch das Sonnensystem“ des US-Amerikaners Michael Benson besichtigt werden. Die „Süddeutsche Zeitung“ (SZ) widmete ihr am Wochenende eine hüsch gestaltete Doppelseite. Tenor: Der Weltraum. Unendliche Weiten und so. Vom 1. Juni an können die 77 Foto-Kunstwerke im Naturhistorischen Museum in Wien bewundert werden. Glaubt man der SZ, dann beschränkt sich die Ausstellung jedoch keineswegs darauf, dem Betrachter die „dämonenhafte Schönheit“ – pardon, die begeistert ja Marcus Preztell an Lebensgefährtin Frauke Petry, die am Wochenende beide auf dem AfD-Parteitag in Stuttgart besichtigt werden können – weshalb wir es am besten gleich noch einmal versuchen: Also, glaubt man der SZ, beschränkt sich die Ausstellung keineswegs darauf, dem Betrachter die majestätische Schönheit des Weltalls vor Augen zu führen, sondern verfolgt auch einen missionarischen Zweck. Wir sollen behutsam darauf vorbereitet werden, dass unsere Sonne uns nicht ewig wärmen und bald sterben wird, weshalb wir uns schleunigst nach einem anderen Planeten umsehen sollten. Denn schon in schlappen zwei Milliarden Jahren beginnt es hier ungemütlich heiß zu werden. Sozusagen ein letztes trotzigen Aufbäumen, bevor die Sonne ratzfatz, nach weiteren vier Milliarden Jahren den Löffel ganz abgibt und bei uns alle Lichter ausgehen. Wir dagegen halten jede Wette, dass wir uns die Erfindung fliegender Umzugscontainer sparen können. Denn so nett wie wir alle zueinander sind, entwickeln wir sicher viel früher eine endgültige Lösung des Problems. Anstatt also in den Immobilienteilen nach Exoplaneten Ausschau zu halten, könnte man erwägen, ob es nicht klüger wäre, den Ruf „Maranatha, komm Herr Jesu“ doch ein wenig zu intensivieren. Stefan Rehder