Glosse: Es ist Frühling in Taschkent!

Österreich macht ja seit vielen Jahrzehnten Tourismus-Werbung im Ausland. Da sollte das Gegenteil nicht schwerfallen, sollte man meinen. Doch die Plakate, die Österreichs Innenministerium jetzt in Afghanistan anbringen lässt, sind eher fad: „Schlepper lügen! Bei wirtschaftlichen Gründen gibt es kein Asyl in Österreich“ steht da. Nicht viel ausladender liest sich der Appell von EU-Ratspräsident Tusk an die Wirtschaftsmigranten: „Glauben Sie nicht den Schmugglern! Riskieren Sie nicht Ihr Leben und Ihr Geld! Es ist alles umsonst!“ Dann steht da noch irgendwas von Schengen-Regeln, was längst kein Mensch mehr versteht. Da sich Tusk & Co offenbar keine professionelle Anti-Werbung leisten können, hier ein kostenfreier Vorschlag für ihren Brief an alle reisefreudigen Afghanen:

„Liebe Afghaninnen und Afghanen! Europa ist der Horror! Wir müssen es wissen, denn wir leben hier. Das Wetter ist saukalt. Selbst im Frühling schneit es. Sogar die Reichen sind hier trübsinnig, der Rest meistens grantig und missmutig. Die Zeitungen taugen nichts, wie ihnen jeder Obdachlose bestätigen kann. Die Politiker noch weniger. Wenn Sie sich nach Recht und Ordnung sehnen, gehen Sie lieber nach China. Auch Usbekistan soll sehr schön sein, und das Wetter in Kirgistan ist im Frühling eine Wucht! Viel Platz und tolle Bodenschätze finden Sie etwa in Sibirien, eine Bombenstimmung herrscht in Pakistan und Indien. Europa war gestern! Heute tobt in Kasachstan der Bär! Außerdem, denken Sie bitte an Ihre Kinder: Europa ist ja so was von vergreist. Wollen Sie denn wirklich, dass Ihre Kleinen hier später mal eine 60-Stunden-Woche in einem deutschen Büro schuften, nur um Heerscharen von Rentnern zu ernähren?“ Also, wenn schon abschrecken, dann richtig. Irgendwann sind die Afghanen uns dafür dankbar. Stephan Baier