Glosse: Es gibt ein Leben danach...

Um Antworten auf die wichtigen Fragen des Lebens zu bekommen, braucht es einen langen Atem. „Warum ist überhaupt etwas und nicht nichts?“ wäre ein solche Frage. Eine andere lautet: „Was ist ursprünglicher, das Sein oder der Sinn?“ In die richtige Antwort kann man sich schon mal Jahrtausende vertiefen. Ganz so lange musste die Menschheit nicht warten, bis zwei andere Fragen geklärt waren. Fragen, die – glaubt man den Medien – von weit größerer Tragweite als die beiden erstgenannten sind. Sie lauteten: 1.) Kann Bayern München noch verlieren? Und 2.): Gibt es ein Leben nach „Wetten, dass... ?“ Die Antwort auf Frage 1 kam unerwartet in Augsburg über die Menschheit. Sie lautet zur Überraschung vieler: „Ja“. Die Antwort auf Frage 2 ließ immerhin 33 Jahre auf sich warten. Wobei gesagt werden muss, dass sich die Frage rund 30 Jahre lang in ihrer ganzen existenziellen Bedrohlichkeit überhaupt nicht stellte. War doch „Wetten, dass...?“ derart mit der mentalen DNA der „Generation Golf“ verwoben, dass die Vorstellung, es könne ein Leben danach geben, den Sinn-Horizont dieser Generation schlicht überstieg. CDU-Generalsekretär Peter Tauber, der sich selbst der „Generation Golf“ zugehörig weiß, brachte es auf dem CDU-Parteitag treffend auf den Punkt, als er sagte, die schlimmste Veränderung für diese Generation sei gewesen, „dass Raider plötzlich Twix hieß“. Solchermaßen unzureichend auf die Schicksalschläge menschlichen Daseins vorbereitet, trifft sie die Nachricht vom Aus für „Wetten, dass...?“ nun, als nähme man ihnen die Kindheit. Dabei sind sie selbst schuld, dass das mediale Lagerfeuer, um das sich Familien über lange Jahre scharten, nach einer Zeit des nur noch mäßigen Glimmens nun erlischt. Sie haben ja nicht mehr zugeschaut. Also heult nicht, Ihr Memmen, sondern stellt Euch den Härten- und Entbehrungserfahrungen eines Lebens danach. Es gibt schlimmere Veränderungen als Twix. Irgendwann musste es auch die „Generation Golf“ lernen. Markus Reder