Glosse: Ein Antrag für die Schublade

Von Guido Horst

Angesichts der hohen Kosten, die mit der kriminaltechnischen Durchleuchtung des katholischen Klerus verbunden sind, hat die Arbeitsgruppe XII/A der Unterkommission 7 im pastoraltheologischen Hauptreferat der vierten Abteilung des Generalsekretariats der Deutschen Bischofskonferenz eine Anfrage an die Kleruskongregation gerichtet. Wegen der gähnenden Leere, die kurz vor Ferragosto in dieser kurialen Behörde herrscht, geriet diese in die geheime Kommandozentrale des vatikanischen Staatssekretariats – wo auch dann noch jemand sitzen wird, wenn der Herr die Weltgeschichte mit dem allseits erwarteten Jüngsten Gericht längst schon abgeschlossen hat. Die Anfrage aus Bonn also geht davon aus, dass a) die anwaltlichen Untersuchungen der Personalakten der geistlichen Herrn zur Erstellung eines Täterprofils „katholischer Priester“ so teuer sein werden, dass sich b) mit dem Einnahmerückgang bei der Kirchensteuer die Frage der Nachhaltigkeit stellt, zumal c) aufgrund des prognostizierten Priestermangels die verdächtige Personengruppe demnächst sowieso ausgestorben sein dürfte. Stattdessen, so rechnet die Arbeitsgruppe vor, sei es sinnvoller, Priesterroboter in den Pfarrverbünden einzusetzen, die wartungsfrei arbeiten könnten, bis sich auch auf weltkirchlicher Ebene die Einsicht durchgesetzt habe, die Gemeindearbeit gänzlich in die Hände von Laien zu legen. Die Priesterroboter fänden dann einen Ehrenplatz in den örtlichen Diözesanmuseen. Die Firma Siemens habe schon einen entsprechenden Prototyp entwickelt, bei dem man sogar auf Knopfdruck vom ordentlichen auf den außerordentlichen Ritus umschalten könne. Der Dienst habende Prälat, sagt man, habe den Antrag an die tiefen Schubladen der Kleruskongregation zurückverwiesen.