Glosse: Echte Sozialisten

Karl-Marx, Lifestyle und Caritas-Suppenküche. Eine Glosse von Engelbert Kouchat

Warum sollen echte Sozialisten nicht auch dickes Business machen, schicke Anzüge tragen und flotte Autos fahren? Ja, warum eigentlich nicht? Das fragen sich echte Sozialisten seit Jahrzehnten, während sie in flotten Autos in schicken Anzügen von Business-Termin zu Business-Termin sausen. Dass anti-kapitalistische Gesinnung und kapitalistischer Lifestyle friktionsfrei zueinanderpassen, bewies bekanntlich schon Altvater Karl Marx, der sich bei aller Solidarität mit der Arbeiterklasse ja auch nicht die zarten Hände an der Werkbank schmutzig machen wollte.

Österreichs Sozialisten können aufgrund des jüngsten Wahlergebnisses nicht mehr die ganze Arbeiterklasse retten. Also konzentrieren sie sich darauf, exemplarisch den eigenen Parteichef, Christian Kern, vor der Verarmung zu retten. Der hatte als Bundeskanzler mit 21 900 Euro Monatsgehalt (mal 14, denn sozialistische Jahre haben 14 Monate) bereits den Gürtel enger schnallen müssen und nur noch schicke Anzüge „Slim Fit“ getragen. Zuvor hatte er im roten Vorzeigesubventionsbetrieb ÖBB ganz andere Summen kassiert! Mit dem Verlust der Kanzlerschaft drohte nun der soziale Totalabsturz: Mit einem normalen Abgeordnetengehalt hätte Kern sich täglich bei der Caritas-Suppenküche anstellen müssen. Diesen Genuss wollten ihm die Genossen dann doch nicht zumuten.

Darum legt die SPÖ monatlich 6 100 Euro für ihren Chef drauf, damit er wenigstens auf magere 14 885 Euro (mal 14, wie gesagt) kommt. Damit kann man in Wien so recht und schlecht durchkommen, heißt es in echten Sozialistenkreisen. Aufatmen allerorten: Wieder ein österreichischer Altkanzler, der nicht unter der Brücke landet oder – wie ein verarmter Sozi-Altkanzler aus Deutschland – auf Putins Payroll!