Glosse: Die erlösende Nachricht

Von Stefan Meetschen

Der Engel des Herrn trat zu den Hirten auf dem Felde und sprach: „Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr. Und das soll euch als Zeichen dienen: Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt.“ So schlicht kam Jesus zur Welt. Das große Getöse lag allein in der metaphysischen Dimension des Ereignisses, das die Christen jedes Jahr zu Weihnachten feiern. Ab dem 24. Dezember. Nach der andächtigen Warming-Up-Phase, die man Advent nennt.

Zumindest in Großbritannien (wenn nicht auch in anderen Gebieten der westlichen Zivilisation) scheint Weihnachten dieses Jahr allerdings vorverlegt worden zu sein. So groß ist der Rummel um die Geburt des Sohnes von Prinz William und Gemahlin Kate, der am 22. Juli um 16.24 Uhr (Ortszeit) im Londoner St.–Mary–Krankenhaus (immerhin!) mit einem Gewicht von 3 800 Gramm zur Welt kam. Worüber wir uns, jeder neue Erdenbürger ist ein Geschenk Gottes, natürlich auch freuen. Die Frage ist nur, ob man wie die britische Boulevardzeitung „Sun“, die sich nun „Son“ (Sohn) nennt, oder andere Medien, die von einer „erlösenden Nachricht“ sprechen, die emotionale Begeisterungslatte dermaßen hoch hängen muss. So ein zukünftiger englischer König ist bei allen Dienern und Palästen, die auf ihn warten, schließlich auch nur ein Mensch. Vielleicht sogar ein besonders bedauernswerter, wenn man sich das Leben seines Großvaters ansieht. Doch auch ein „Royal Baby“ darf hoffen: Auf die erlösende Nachricht am Anfang dieser Glosse.