Glosse: Die Nullen müssen stehen

Von Stefan Meetschen

Wenn sich die ARD mit dem Slogan „Der Samstag hat wieder einen Sinn“ zu Wort meldet, die „Bild“-Zeitung vor dem Start noch schnell „letzte Antworten“ verspricht und sogar die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ sich nicht scheut, vom Beginn einer Schlacht, wenn auch nur einer „Werbeschlacht der Sportartikelhersteller“ zu sprechen, ahnt man: Die Fußball-Bundesliga beginnt. Es geht wieder um die teuersten Transfers, die best-bezahltesten Profis, die sattesten Prämien. Kurzum: Es geht um alles oder nichts – außer natürlich um „modernen Menschenhandel“, wie der 23-jährige Nationalspieler und Weltmeister Christoph Kramer erst kürzlich die im Fußballsport mittlerweile üblichen Geschäftspraktiken in seltener Freimütigkeit benannte. So freimütig, dass er sich – wohl auf Druck seiner Vorgesetzten von Bayer Leverkusen, die ihn noch bis zum Sommer 2015 an Borussia Mönchengladbach ausgeliehen haben – dafür entschuldigte und die Aussage zurücknahm. „Der Profi-Fußball hat mit Menschenhandel wirklich gar nichts zu tun. Ich bin sogar unheimlich dankbar für dieses Leben.“ Eine Korrektur, die man wohl nicht als letzte Antwort zum ethischen Niveau des Fußballs auffassen darf. Auch in der neuen Saison geht es für manche Spieler und Trainer um das berufliche Überleben. Darum, den enormen Druck von Medien und Fans auszuhalten. „Die Null muss stehen“ – dieses oberste Torwartgebot wird beim Fußball, wenn es ums Geld geht, leicht variiert: Die Nullen müssen stehen. Die Euro-Nullen vor dem Komma. Koste es, was es wolle.