Glosse: Deutschland, Erfinderland

Von Clemens Mann

Was täte Deutschland ohne seine fleißigen Ingenieure, Tüftler und Erfinder. Knapp 60 000 Erfindungen wurden 2010 beim Deutschen Patentamt angemeldet. Im europäischen Vergleich ein Spitzenwert. Auch ein Blick in die Geschichte zeigt: Deutsche Entwickler und Ingenieure haben Großes, ja sogar Erhabenes, geleistet. Gottlieb Daimler zum Beispiel: Dank seiner Erfindungen eines Benzinmotors und der Entwicklung des ersten vierrädrigen Kraftfahrzeuges kommen Menschen schnell von A nach B. Oder der Radiochemiker Otto Hahn, der 1939 die Kernspaltung entdeckt hat. Mit seiner Entwicklung sorgt Hahn heute auch für viel Bewegung auf deutschen Straßen – und unter Politikern. Oder Wernher von Braun, der große Visionär der Raumfahrt. Dank ihm können wir sie, die Politiker, gleich zum Mond schießen.

In diese illustre Liste deutschen Erfindergeistes darf sich nun auch Oliver Sturm einreihen. Ihm gebührt ein Ehrenplatz. Denn er hat den Gebetomat erfunden, die politisch korrekte Gebetsmaschine. In Berlin steht das Wunderwerk der Technik. Es hat den Charme eines Passbildautomaten. Aber Äußerlichkeiten zählen ja nicht. Das Vater-Unser auf Plattdeutsch steckt drinnen, etwas Judentum, Buddhismus, ein paar Geistergesänge und auch die Scientologen dürfen sich freuen. Ganze 300 Gebete in 65 Sprachen sollen es insgesamt sein. Dass eine Maschine den Draht „nach oben“ sucht, gibt es natürlich nicht zum Nulltarif. Aber was sind schon 50 Cent als Dank für das vom Gebetomat garantierte Seelenheil? Bleibt nur noch abzuwarten, bis die deutsche Ingenieurskunst auch noch das religiöse Restrisiko in den Griff bekommt, eine „Gottesmaschine“ entwickelt und Gott, Allah, Brahman, Manitu und Co. höchstpersönlich in eine bunte Kiste packt.