Glosse: Das alternative Jobangebot

Haben Sie manchmal die Nase voll von Putin, Trump & Co.? Gehen Ihnen die täglichen, ja stündlichen Schock- und Horrornachrichten, die Flut an Information und Desinformation, die geistlosen und entgeisterten Stellungnahmen von jedem zu allem auf die Nerven? Wollen Sie einmal fliehen aus dem nicht endenden Strom der Chat- und Facebook-Nachrichten, von Mail und Twitter, denen wir ständig wehrlos ausgesetzt sind? Wollten Sie schon mal den Fernseher abfackeln und das Handy im Klo versenken, nur um einmal ungestört die wirkliche Wirklichkeit zu genießen? Stille zum Beispiel. Würden Sie gerne dem Hamsterrad des alltäglichen Kleinkapitalismus entrinnen, für eine Weile nicht verdienen und bezahlen müssen? Ein paar Monate ohne Sorgen um Internet- und Stromrechnung, um Steuerprüfung und Überstunden, wäre das nicht herrlich? Einmal zurück zur Natur, zum eigentlichen Leben – jenseits von läutenden Telefonen, von mit Werbesendungen verstopften Briefkästen und überfüllten Spam-Ordnern?

Da hätten wir für Sie zwei wunderbare Geheimtipps: Entweder Sie kaufen sich eine der noch nicht erschlossenen, unbewohnten Pazifikinseln, die heute ab einem kleinen zweistelligen Millionenbetrag zu erwerben sind. Oder Sie werden Einsiedler in Saalfelden im schönen Pinzgau. Seit Herbst 2016 ist die dortige Einsiedelei nicht mehr bewohnt. Nun suchen Stadt und Pfarrei Saalfelden einen Eremiten für die Sommermonate (vor April ist es einfach zu kalt). Bewerbungen bitte nur per Post (nicht per Mail, Twitter oder Skype) an das Pfarramt Saalfelden. Ach ja, einen Haken hat der Job: Abgesehen davon, dass es weder Strom noch fließendes Wasser gibt, darf man nicht zu eremitisch orientiert sein – wegen der vielen Besucher. Man sollte „zugleich Eremit und Psychologe“ sein, sagt Bürgermeister Erich Rohrmoser. Also wieder keine Ruhe vor Putin, Trump & Co.! Stephan Baier