Glosse: Beichten bei Barnaby

Hätten Fernsehkrimis mit der Wirklichkeit zu tun, wäre das Ende der Menschheit nicht mehr weit. Denn regelmäßig übersteigt die Zahl der Opfer die der Täter, und Opfer meint nicht weniger regelmäßig Mordopfer, und gemordet wird, wo immer die zappende Fernbedienung Halt macht. Es sind drei Menschentypen, die einen Krimi ausmachen: Täter, Opfer, und Ermittler. Während Täter und Opfer auch mal die Rollen tauschen können, stehen die Ermittler unbeirrt auf der Seite des Rechts und verstehen sich als Diener der Wahrheit, die es unter Einsatz modernster Methoden sowie des gesunden Menschenverstandes zu erfahnden gilt. Irgendwie ist es paradox: Da haben erwachsene Menschen königlichen Fröschen, hinterlistigen Wölfen und sprechenden Wandspieglein längst abgeschworen, aber von brutalen Krimi-Märchen kriegen sie nicht genug. Ein Relikt aus Kindertagen ist allenfalls die Sehnsucht nach dem Sieg des Guten. Ein guter Krimi muss schon Ordnung ins Chaos bringen. Das geschieht in zähen und zermürbenden Ermittlungen, an deren Ende immer ein Geständnis steht. Dafür wird nicht selten eine Art Beichtstuhlatmosphäre erzeugt, worauf sich Inspektor Barnaby ganz besonders gut versteht. Sein durchdringender Blick gepaart mit der Einsamkeit des düsteren Vernehmungszimmers bringt jedes Täterherz zum Schmelzen. Wer hier reinen Tisch macht, erlebt eine Befreiung, auch wenn sie ihn direkt ins Kittchen bringt. So sicher der arme einsame Comic-Cowboy nach bestandenem Abenteuer in abgeklärter Coolness der Sonne entgegenreitet, so sicher erstrahlt mit jedem aufgeklärten Mord die heile TV-Welt in altem Glanz. Alles andere wäre ein Widerspruch in sich. Da möchte man sich fast wünschen, Fernsehkrimis hätten mit der Wirklichkeit zu tun, auch wenn es das Ende der Menschheit bedeuten würde. Denn diese wäre immerhin ein „Happy End“. Bernhard Huber