Glosse: Bei Kleinlichtern und Lenkern

Von Stefan Rehder

Zu den Trends, die auf der diesjährigen Buchmesse besichtigt werden konnten, zählen zweifellos die Autobiografien so prominenter Zeitgenossen wie die des Rekord-Fußballers Lothar Matthäus („Ganz oder gar nicht“) oder die der Ex-Präsidentengattin Bettina Wulff („Jenseits des Protokolls“). Menschen also, die ständig durch die Boulevard-Medien irrlichtern, denen aber vermutlich selbst Waltraud Wohlwollen allenfalls das unbeschadete Durchblättern einer Illustrierten, nicht aber die unfallfreie Lektüre eines zweihundert Seiten starken Buches zutrauen würde. Aber müssen dafür wirklich Bäume sterben? Die Antwort ist: „Ja“. Denn offensichtlich gilt: Egal wie schlecht ein Buch auch geschrieben ist, es finden sich immer Leser, die meinen, auch daraus noch Nutzen ziehen zu können. Und weil der Nutzen, in einer utilitaristisch durchgeprägten Welt, die einzige gültige Währung ist, wird der neue Trend wohl so schnell nicht versiegen. Grund genug, schon jetzt einen Blick auf die möglichen Frühjahrsprogramme zu riskieren: Bei „Bastei Lübbe“ könnte die von vielen lang ersehnte Autobiografie der deutschen Tennis-Legende Boris Becker erscheinen; Arbeitstitel: „Jenseits des heiligen Rasens – zwischen Besenkammern und Pokertischen“. „Droemer“ könnte mit Dieter Bohlens „Total Recall“ die Verkaufslisten stürmen. Und Heidi Klum könnte bei „Heyne“ mit „Hans oder Franz – Wie ich lernte, die Schönheitschirurgie zu lieben“ einen Welt-Bestseller landen.