Glosse: Bayern sorgen für Spannung

Vermeide Siege über Überlegene – diesen Ratschlag von Baltasar Gracian hat Bayern München in der laufenden Saison konsequent beherzigt. Kunststück – welcher Verein sollte gegenüber den Bayern auch überlegen sein? Freiburg, Bremen, Dortmund? Selbst Schalke 04 mit seiner erfolgreichen Jugendarbeit kann sich vor der teuerbezahlten Erfolgsmaschinerie der Münchner vorläufig nur beugen. Nach dem Sieg bei Hertha BSC Berlin darf sich Bayern bereits im Monat März (und zum 24. Mal) Deutscher Meister nennen. Und wie man weiß, warten auch im DFB-Pokal und in der Champions-League weitere lösbare Aufgaben auf Team und Trainer. Alles andere als eine Wiederholung des „Triples“ der vergangenen Saison wäre eine Enttäuschung, ein Zeichen für einen Abwärtstrend. Deshalb haben diejenigen nicht recht, die aufgrund der Überlegenheit der Bayern von Langeweile in der Liga reden. Es bleibt spannend! Überall. Zunächst natürlich hinsichtlich der Plätze zwei bis vier, ferner, wenn es um den Bundesliga-Abstieg geht. Aber auch mit Blick auf die weitere Entwicklung bei den Bayern ohne Uli Hoeneß, der den Verein wie kein zweiter geführt und geprägt hat. Können sich die Bayern auf Dauer wirklich einen Sportdirektor ohne Stallgeruch wie Matthias Sammer leisten, wo doch mit Oliver Kahn ein betriebswirtschaftlich kompetentes Alphatier und Bayern-Idol bereitsteht? Wird Karl-Heinz Rummenigge der neue Hoeneß? Werden Robert Lewandowski und Mario Mandzukic beste Freunde werden? Spannende Fragen beim besten Fußballverein der Welt. Stefan Meetschen