Glosse: Aussteigen, um aufzusteigen

Der Beruf des Fußballbundesliga-Trainers, das hat sich herumgesprochen, ist alles andere als ein sicherer Job. Ist man erfolgreich, liegt es an der Mannschaft mit ihren Stars, der guten Einkaufspolitik des Sportdirektors oder dem Machtinstinkt des Präsidenten. Es sei denn man hat gelernt, vor der Kamera als charismatischer Heiler aufzutreten, und verbindet diese Fähigkeit mit einem gut aufgestellten Team – dann kann man schon mal als eloquenter Wundermacher durch mehrere Saisons tingeln. Vorausgesetzt, es werden keine Leistungsträger verkauft. Ist dies aber Fall, bleibt einem kaum eine Alternative zum freiwilligen Abschied, wie ihn der langjährige BVB-Heiler Jürgen Klopp nun gewählt hat: Ich bin dann lieber mal weg und rette meine Aura vor zuviel Durchschnittlichkeit. Trainer, die richtig im Keller stecken, was einem derzeit in Hamburg, Stuttgart oder Hannover ermöglicht wird, haben für solch einen Selbsterhaltungsluxus keine Gelegenheit. Sieg oder flieg, heißt dort die Parole. Werden wir in Zukunft also häufiger den freiwilligen Rücktritt von Trainern im Mittelfeld der Liga erleben, die sich durch freigewählte Arbeitslosigkeit ihr Erfolgsimage bewahren wollen? Möglich. Kopps Nachfolger in Dortmund, Thomas Tuchel, ist auf diesem Gebiet jedenfalls auch Spezialist. Er wurde nicht von seinem letzten Verein Mainz 05 gefeuert, sondern entschied sich 2014 für ein „Sabbatical“. Ein Jahr ohne Sitz auf der Trainer-Schleuderbank. Seinem Marktwert hat das nur gutgetan. Jetzt muss er nur noch erfolgreich sein oder rechtzeitig zurücktreten. Stefan Meetschen