Glosse: Aushorchen lohnt sich

Von Stefan Rehder

Unser bisheriges Bild von Terroristen ist sehr naiv und deshalb reichlich renovierungsbedürftig. Nimmt man die Aktivitäten des US-Geheimdienstes NSA zum Maßstab, halten sich Terroristen offenbar keineswegs mehr überwiegend in Ausbildungscamps auf, die Al-Kaida in Afghanistan, Pakistan oder andernorts unterhält. Auch das Bild des typischen Schläfers, das unserem geistigen Auge einen muslimischen Studenten offeriert, der sich auffällig unauffällig, turnschuh- und rucksacktragend über den Campus einer Universität bewegt, die wahlweise in England, Frankreich, Deutschland oder den USA herumsteht, bedarf der Korrektur. Glaubt man der National Security Agency, dann tarnen sich Terroristen nämlich längst auch mit weißen Hemden und Manschettenknöpfen, tragen Nadelstreifenanzüge und Krawatten, beherrschen romanische oder auch germanische Sprachen völlig akzentfrei, sind Inhaber eines Diplomatenpasses und arbeiten tagsüber in der EU-Botschaft in Washington oder dem Hauptsitz der Vereinten Nationen in New York. Warum sonst sollte die NSA die Videokonferenzanlage der Vereinten Nationen geknackt und Festplatten in EU-Dependancen kopiert haben? Nun warten wir darauf, dass NSA-Chef Keith Alexander vor die Presse tritt und erklärt, wie viele Anschläge der US-Geheimdienst dadurch vereitelt hat. Noch unbestätigten Angaben zufolge sollen die gewonnenen Erkenntnisse dazu geführt haben, dass mindestens sechs Kaffeeautomaten vor mutwilliger Zerstörung bewahrt und in den umliegenden Gärten zwei „Wild-Pinkler“ auf frischer Tat ertappt werden konnten.