Glosse: Auf den Spuren des Fischers

„Bitte“ – „Danke“ – „Entschuldigung“. Laut Franziskus sind diese drei Wörter der „Garant für ein glückliches Familienleben“. Bereits zweimal hat der Papst „vom anderen Ende der Welt“ die Katholiken sowie Menschen guten Willens darauf in seinem noch jungen Pontifikat hingewiesen. Gut möglich also, dass auch die protestantische Kanzlerin daran Maß nahm, als sie sich jetzt bei ihrer Familienministerin entschuldigte. „Das tut mir leid“ und „das geht gar nicht“ soll „Mutti“, glaubt man dem aktuellen „Spiegel“, der „Küsten-Barbie“, wie Manuela Schwesig in der SPD auch genannt wird, zum Auftakt einer der legendären Nachtsitzungen ihrer Kabinettsfamilie beschieden haben. Dabei hatte sich die Kabinettschefin gar nicht unbotmäßig verhalten. Dieser Lapsus war, so muss man Angela Merkels Entschuldigung verstehen, Volker Kauder, Chef der CDU/CSU-Fraktion, unterlaufen. Der hatte zur Frauenquote vor laufender Kamera gesagt, die „Frau Familienministerin“ solle doch „nicht so weinerlich sein“ und hinzugefügt, wenn sie sich „an den Koalitionsvertrag“ halte, sei „alles in Ordnung“. Ach, was werden das für harmonische Zeiten. Als nächstes entschuldigt sich die Kanzlerin sicher für ihren Intimus Peter Hintze. Hatte der doch in der Debatte zur „Sterbebegleitung“ für den ärztlich assistierten Suizid geworben und gesagt: „Ich halte es für unvereinbar mit dem Gebot der Menschenwürde, wenn aus dem Schutz des Lebens ein Zwang zum Qualtod würde.“ Man sieht Merkel schon vor sich, wie sie im Kanzleramt Palliativmediziner mit den Worten „das tut mir leid“ empfängt und ihnen, nachdem diese ihr erläuterten, wie nachhaltig nachteilig sich das Arztbild verändern werde, wenn Hintzes Vorstellungen Gesetz würden, versichert: „Das geht gar nicht.“ Stefan Rehder