Glosse: Auf den Hecksler gekommen

Die niedlichen gelben Osterküken stimmen fröhlich und heiter. Sie sind ein Vorgeschmack auf den Frühling und sie gehören seit Urzeiten zu Ostern, wie die Hasen, die bunten Eier und das Osterfeuer. Aber im Gegensatz zu den Hasen, die vorwiegend immer noch in freier Natur herumhoppeln dürfen, und denen man nach wie vor Ostern das Verstecken von bunten Eiern zumutet, sind Küken heute unter die Räder der Wirtschaftlichkeit geraten. Man kann sie selten noch auf Bauernhöfen sehen, wo sie mit den Hühnern frei herumlaufen dürfen. Weil Eier heute billig sein müssen, und wir auch wohl deshalb zu viele davon essen, züchten wir inzwischen in großen Betrieben Turbo-Legehennen. „Männliche“ Küken sind da nur im Wege, denn sie werden nie Legehennen sein und auch für die Mast-Industrie sind sie nicht brauchbar. 46 Millionen dieser Küken werden pro Jahr vergast oder gehexelt, weil es trotz Hormongaben und Diätversuchen bisher noch nicht gelungen ist, die Hennen nur zum Legen weiblicher Eier zu bewegen. Es gibt inzwischen auch Verfahren, in denen die Eier gelasert werden und als männlich erkannt aussortiert werden. Kann man mit brennenden Osterkerzen, die mit Kükenbildern dekoriert sind, beten? Vor allem gläubige Christen lehnen das ab, weil sie fürchten, dass so das christliche Osterfest, die Auferstehung Christi, von dem bunten Osterhasenfest verdrängt wird. Das wird zwar nie passieren. Aber es wäre vielleicht doch sinnvoll, wenn Küken-Osterkerzen auch auf Altären in unseren Kirchen brennen würden, über das gesamte Osterfest hinweg bis in die Pfingsttage, damit wir endlich erkennen, wie rücksichtslos wir immer wieder und immer mehr in Gottes Schöpfung eingreifen, und dass gerade wir Christen für Gottes Schöpfung mit verantwortlich sind. Gabriele Plettenberg