Glosse: Auf Dübel komm raus

So, jetzt sind wir Weltmeister – Zeit, mal wieder über das zu reden, was in Deutschland alles nicht klappt. Wechseln wir also von Jogi Löw zu Hartmut Mehdorn – und bleiben beim Thema. Im Jahr 2006 war Mehdorn noch Bahn-Chef und damit auch für die Berliner S-Bahn und den Bau des neuen Hauptbahnhofs zuständig. Und weil der – nach jahrelanger Verspätung – unbedingt zur Fußballweltmeisterschaft im eigenen Land fertig werden sollte, ordnete Mehdorn damals zack, zack an, das Dach des Prestigebaus müsse nicht, wie geplant, 425 Meter lang sein, sondern 100 Meter weniger reichten auch. Seitdem holen sich Passagiere, die aufgrund dieser Kurzsicht unter freiem Himmel aussteigen müssen, schon mal nasse Füße. Ein Jahr später riss Sturm „Kyrill“ einen tonnenschweren Träger aus der Fassade des Hauptbahnhofs – das Ding war nicht verschweißt, sondern nur lose aufgelegt, das kostet weniger. Zu Schaden kam damals nur deshalb nie-mand, weil kaum Leute im Bahnhof wa-ren, denn wegen des Sturms war der Zugverkehr eingestellt. Seit Montag dieser Woche steht wieder was, nämlich die S-Bahnen zwischen Hauptbahnhof und Zoo. Drei Wochen lang geht gar nichts, weil 20 000 Dübel an den Schienen ausgetauscht werden müssen. Es können auch 40 000 sein, da schwanken die Angaben genauso wie bei den Kosten, die mal auf 17, mal auf 25 Millionen Euro beziffert werden. Aber selbstverständlich bietet die Bahn „Ersatzverkehr mit Bussen“. Hartmut Mehdorn hat auch Ersatz gefunden. Nach seiner Zeit bei der Bahn versuchte er zunächst zwei Jahre lang, Air Berlin in die schwarzen Zahlen zu fliegen, seit 2013 sucht er einen Eröffnungstermin für den Berliner Flughafen. Irgendwann übernimmt er dann das Verkehrsministerium. Andreas Wodok