Gestärkt im Glauben, geeint in Solidarität

Bischof Gregor Maria Hanke: „Treffpunkt Weltkirche“ von „Kirche in Not“ weitet den Blick für das Wesentliche. Von Markus Reder

Gregor Maria Hanke ist Bischof von Eichstätt und Vorstandsvorsitzender der deutschen Sektion von „Kirche in Not“. Foto: PDE
Gregor Maria Hanke ist Bischof von Eichstätt und Vorstandsvorsitzender der deutschen Sektion von „Kirche in Not“. Foto: PDE
Herr Bischof, der internationale Kongress „Treffpunkt Weltkirche“ des Hilfswerkes „Kirche in Not“ ist vorüber. Wie fällt Ihre Bilanz aus?

Dieser Kongress hat mich sehr beeindruckt, vor allem, weil es ein junger Kongress war mit vielen jungen Gesichtern. Auch die Kinder haben entsprechend Raum gefunden. Ich glaube, dass das Ziel erreicht wurde, die Menschen auf ihrem Glaubensweg zu stärken. Der Kongress wollte die Perspektive weiten: Als katholische Kirche sind wir in einer weltweiten Gemeinschaft des Glaubens unterwegs. Wir haben viele Zeugnisse aus anderen Ländern gehört, Aufbrüche, Schwierigkeiten unserer Schwestern und Brüder in anderen Ländern vernommen. All das hat Mut gemacht. Ich bin gestärkt mit diesem Bewusstsein der weltweiten catholica nach Hause gefahren.

Gibt es eine spezielle Botschaft, ein besonderes Signal, das von diesem Kongress ausgeht?

Im Mittelpunkt standen vor allem die bedrängten Christen etwa im Irak oder in Syrien. Die Botschaft dieses Kongress lautet: Wir lassen nicht nach in unserer Solidarität. Wir setzen uns ein für die verfolgten Schwestern und Brüder nicht nur im Mittleren Orient, sondern auch in Nigeria und in anderen Ländern, in denen Christen bedrängt und verfolgt werden. Noch ein weiterer Aspekt war bei diesem Kongress wichtig. Auf verschiedenen Podiumsdiskussionen kam deutlich zur Sprache, was auch Papst Franziskus ein großes Anliegen ist: An die Ränder gehen, zu den Armen, zu den Verlassenen, aber auch an die Ränder in unserer Gesellschaft. Wir haben hier ja Ränder der Sinnleere, Ränder der inneren geistlichen Verarmung. Deshalb ist es wichtig, dass wir einladend unsere Stimme erheben und die Menschen auf den Weg des Glaubens einladen in die Beziehung zu Christus. Da müssen wir uns vernehmbar machen: Missionarisches Zeugnis muss wahrnehmbar sein.

Was bedeutet die Begegnung mit Christen in Not und Verfolgung für die Kirche hierzulande?

Wenn ich mit Christen und bischöflichen Mitbrüdern aus Syrien, aus dem Irak oder etwa dem Sudan spreche, dann relativiert sich doch manches von unserem typisch deutschen Fragehorizont und weitet den Blick für das Wesentliche. Das Wesentliche ist nicht unbedingt, in welcher strukturellen Verfassung die Kirche in den nächsten Jahren sein soll. Das Wesentliche ist auch nicht eine auf äußere Reform ausgerichtete Kirche. Das Wesentliche ist die Beziehung mit Jesus Christus, die Verwandlung der Welt, vor allem die Verwandlung meiner selbst, denn dort beginnt Verwandlung und Erneuerung – der Welt und der Kirche.

In Syrien, im Irak werden die Christen und andere Minderheiten verfolgt, in Pakistan brennen Kirchen, in Nigeria wütet Boko Haram, in Europa schwindet der Glaube in dramatischer Weise: Keine rosigen Aussichten für Glaube und Kirche. Dennoch haben Sie beim „Treffpunkt Weltkirche“ mehrfach dazu aufgerufen, nicht ins Jammern zu verfallen.

Ich möchte diesem Jammern wehren: Das ist ganz und gar unchristlich. Haben die Apostel, die nur eine kleine Schar waren, nach der Himmelfahrt des Herrn gejammert? Ganz im Gegenteil: In der Kraft des Heiligen Geistes ist diese kleine Schar in alle Welt hinausgezogen. Und warum gibt es keinen Grund zu Jammern? Weil Gott dem Einzelnen so viel zutraut. Das ist das Großartige des christlichen Glaubens. Entscheidend ist das Individuum, das einzelne „Ja“ bewegt so viel. „Siehe, ich bin die Magd des Herrn!“: Ein „Ja“ kann die Welt verändern. Von daher sollten wir nicht Angst haben, wenn wir numerisch, statistisch kleiner werden. Die Gefahr ist vielmehr Resignation und Trauer. Das lähmt uns viel, viel mehr als der numerische Rückgang. Das Glaubenszeugnis, der lebendige Glaube eines Gliedes der Kirche, kann unheimlich viel bewegen. Gott traut uns offensichtlich mehr zu als wir uns selbst.