Gastkommentar

Regierung muss sich einsetzen. Von Daniyel Demir

Am 22. April 2018 erinnerten der World Council of Arameans und der Bundesverband der Aramäer in Deutschland im Rahmen eines Gedenkgottesdienstes und Symposiums an das ungewisse Schicksal, der seit fünf Jahren entführten Erzbischöfe von Aleppo. Der syrisch-orthodoxe Metropolit Gregorios Yohanna Ibrahim war am 22. April 2013 nahe Aleppo gemeinsam mit seinem griechisch-orthodoxen Amtsbruder Paul Yazigi von islamistischen Rebellen verschleppt worden. Bis heute fehlen noch immer verifizierbare Lebenszeichen, über den Verbleib, das Wohlbefinden der Bischöfe oder mögliche Forderungen ist nichts Stichhaltiges bekannt. Sämtliche Bemühungen für eine Freilassung blieben bisher erfolglos.

Grundsätzlich wirft dieser merkwürdige Entführungsfall nahe der türkisch-syrischen Grenze viele Ungereimtheiten und Fragen auf. Führende Vertreter des „Syrischen Nationalrates“ haben nach der Entführung in persönlichen Gesprächen, Aussagen über die Identität der Entführer, laufende Verhandlungen, sowie Aufenthaltsort und Gesundheitszustand der Bischöfe getätigt und sich fortan in Widersprüche verstrickt. Die Verantwortung für die Unversehrtheit und das Leben der entführten Erzbischöfe liegt in erster Linie in den Händen der syrischen Opposition, die die militärische, wie auch zivile Kontrolle über das Gebiet der Entführung hatte.

Die Bundesregierung ist in der Pflicht, die Verbindungen zum oppositionellen „Syrischen Nationalrat“ und deren Unterstützer, darunter die Türkei, Katar und Saudi-Arabien, mit Nachdruck für eine unverzügliche Freilassung der Würdenträger einzusetzen. Erst am 19.01.2018 wurde der Koordinator der syrischen Opposition al-Hariri im Auswärtigen zu Gesprächen empfangen, politische und finanzielle Unterstützung wurde zugesichert. Es liegt also eine klare Mitverantwortung zur Aufklärung vor. Das Auswärtige Amt muss die unverzügliche Freilassung der entführten Bischöfe offen einfordern.

Der Autor ist der Vorsitzende des Bundesverbandes der Aramäer in Deutschland.