Gastkommentar: Zukunft statt Abtreibung

Von Alexandra Maria Linder

99 237 Abtreibungen verzeichnet das Statistische Bundesamt in Deutschland für das Jahr 2015. Man verweist auf sinkende Zahlen. Sehen wir uns das genauer an: Die Zahl der gebärfähigen Frauen ist durch die demographische Krise gesunken, allein deshalb gibt es weniger Abtreibungen. Anteilmäßig umgerechnet ist festzustellen, dass in der Altersgruppe der Frauen von 25 bis 45 Jahren mehr abgetrieben wird als in früheren Jahren. Die Verkaufszahlen der „Pille danach“ sind gestiegen. Entgegen den Behauptungen gibt es offenbar noch kein Präparat, das ausschließlich verhütet, weshalb man von einem wie auch immer gearteten Anteil an darin enthaltenen Frühabtreibungen ausgehen muss. Diese sind statistisch nicht erfasst, ebensowenig wie „Mehrlingsreduktionen“ (Abtreibung eines unerwünschten Drillings, Vierlings et cetera, Abtreibungen im Ausland und anders betitelte Abtreibungen (etwa als „Gebärmutterausschabung“). Von einer umfassenden Statistik und eindeutig sinkenden Zahlen kann keine Rede sein.

Gerade hat der Münchner Abtreibungsprofiteur Friedrich Stapf eine neue Praxis aufgemacht, in der er jede Woche bis zu 100 Kinder abtreibt. Könnte man ihn nicht dafür bestrafen – wegen Körperverletzung und Schwangerschaftsabbruchs? So wie vor kurzem einen Mann, der seiner Freundin heimlich ein Abtreibungsmittel in den Nachtisch mischte? Stapf macht doch faktisch dasselbe aus niederen Motiven, nämlich, um Geld zu verdienen? Ja, werden Juristen sagen, aber er macht das auf gesetzlicher Grundlage, mit Einverständnis und auf Wunsch der Frauen – wirklich? Wie viele der Frauen, die in seine Praxis kommen, wollen das tatsächlich? Wie viele sehen sich gezwungen, obwohl sie ihr Kind bekommen möchten? Wie viele wissen trotz angeblich umfassender Aufklärung nicht genau, was sie da tun? Und wie viele Frauen gehen zur Scheinberatung bei Abtreibungsideologen wie Pro Familia, weil sie keine Lust auf ein Kind haben?

Das sind Fragen, denen die Gesellschaft sich zu stellen hat. Doch sie werden verdrängt – zum Schaden der weltweit 56 Millionen Kinder, die jährlich abgetrieben werden, zum Schaden für unsere Gesellschaft, die durch Kindermangel und die Leugnung der Abtreibungsfolgen depressiver, freudloser, kälter wird. Abtreibung ist kein Recht, weder gut noch normal, weder Lifestyle noch Lösung. Sie tötet ein Kind, verletzt eine Frau, schädigt eine Familie. Es ist Zeit, die Wahrheit zu sagen.

Die Autorin ist Bundesvorsitzende der Aktion Lebensrecht für Alle (ALfA) e.V.