Gastkommentar: Zu den eigenen Werten bekennen

Von Heiner Emrich

Pegida sorgt für Unruhe mit Demonstrationen gegen eine angeblich drohende Islamisierung Europas. Dass ausgerechnet in Dresden, wo praktisch keine Muslime leben, diese Demonstrationen einen derart großen Zulauf haben, macht deutlich, dass die Organisatoren einerseits irrationale Ängste schüren, andererseits aber wohl einen „wunden Punkt“ getroffen haben. Sie befriedigen ein allgemeines Unsicherheitsgefühl und die Sorge, irgendwo zu kurz zu kommen. Gleichzeitig geben sie den Menschen ein Ziel, einen Gegner, der an all dem schuld ist. Mit dem Wort der „Islamisierung Europas“ wird eine Gegnerschaft behauptet, ohne dass eine sachliche Basis dafür existiert. Es ist nun einmal so viel einfacher, auf Schlagwortbasis gegen etwas Sturm zu laufen, statt sachlich begründet ein positives Ziel anzustreben.

In der Frage des Zusammenlebens mit Muslimen wäre es sinnvoller, statt der Propagierung irrationaler Ängste gegen Mitmenschen einer anderen Religion sich positiv zu den eigenen Wurzeln und Werten zu bekennen. Schon allein dieses Bekenntnis würde Ängsten vor einer Islamisierung aufgrund des eigenen soliden Fundamentes den Boden entziehen. Leider ist jedoch das Bekenntnis zu religiösen Werten in unserer säkularisierten Gesellschaft zunehmend verloren gegangen. Auch das ohne religiöse Bindung des Einzelnen bestehende christlich-jüdische Fundament des europäischen Abendlandes löst sich immer stärker auf.

Dabei würde die Gestaltung des eigenen Lebens in einer ausgeprägten Werteorientierung nicht nur Ängste unterbinden, sondern auch ein friedvolles und konstruktives Zusammenleben der Menschen verschiedener Religionen ermöglichen. Die Orientierung an den wichtigsten christlichen Werten, Toleranz und Nächstenliebe, führt notwendig zum Dialog, damit also zum Verstehen und folglich zu einem Zusammenleben ohne Ängste. Der Cartellverband der katholischen deutschen Studentenverbindungen bereitet deshalb junge Menschen auf ein werteorientiertes Leben vor, pflegt dabei den interreligiösen Dialog und leistet so seinen Beitrag zu einem friedlichen Zusammenleben.

Wer dagegen die eigenen kulturellen Wurzeln verleugnet und die Religion anderer ohne sachliche Begründung zu einem Hindernis für ein friedliches Zusammenleben erklärt, macht damit die Religion zu einem politischen Machtfaktor und darf sich nicht wundern, wenn extremistische Islamisten sich darin bestärkt sehen, auch ihre Religion zu einem politischen Machtfaktor zu machen.

Der Autor ist Vorsitzender des Cartellverbandes der katholischen deutschen Studentenverbindungen (CV)