Gastkommentar: Wir fahren zum Papst

Von Sabine Benedikta Beschmann

Der Papst kommt nach Deutschland! Mit Freude wird diese Nachricht von vielen deutschen Katholiken aufgenommen. Aber ist es wirklich so, dass Deutschland den Papst sehen will? Die Gesellschaft erweckt doch den Eindruck, als interessiere sie sich nicht dafür, was ein 83-jähriger Mann aus Rom zu sagen hat. Sie horcht höchstens dann auf, wenn die altbekannten Reizthemen zur Protestantisierung der katholischen Kirche wie Aufhebung des Zölibats oder Frauenordination abgenudelt werden – oder das Wort Kondom fällt.

Will Deutschland wissen, was der Papst denkt? Das Buch „Licht der Welt“ ist innerhalb von drei Wochen auf Platz 2 der „Spiegel“-Bestsellerliste geschossen. Die Deutschen interessieren sich ganz offensichtlich für diesen Papst. Sie wollen lesen, was er denkt. Jeden Sonntag um Schlag 12 steht Benedikt am Fenster seines Arbeitszimmers und betet mit den Menschen auf dem Petersplatz den Angelus, und jeden Sonntag kommen aus aller Herren Länder Zehntausende, um ihn zu sehen – die Millionen an den Radio- und Fernsehempfängern nicht mitgerechnet. Man will ihn sehen, hören!

Und jetzt kommt der Papst nach Deutschland. Er macht es sich nicht einfach, er kommt nicht nach Bayern oder Köln, nein, er kommt in die kritischsten Städte: Berlin mit seinem Anteil von sechs Prozent Katholiken, der Hochburg der Freien, der Beliebigen, der militanten Atheisten und Gottesgegner, der Andersdenker und Antikirchler. Er geht nach Erfurt, in die Heimat Luthers. Er wird nahe dem Ort beten, wo jener einst seine Thesen an die Schlosskirche zu Wittenberg geschlagen haben soll, so sagt es die Legende. Und letztlich noch Freiburg, das seit Jahren grasgrün ist und die Heimat der linksliberalen Splittergruppen!

Warum tut er das? Weil er kein Mensch ist, der es sich leicht macht – und weil er auch die beschenken will, die nicht das Glück haben, in katholischen Gegenden zu leben. Wir freuen uns über dieses Geschenk: Ein deutscher Papst kommt nach Deutschland, und wir hoffen, dass wir zusammen mit unserem Heiligen Vater eine Messe feiern dürfen, denn wir leben ja aus der Eucharistie. Die Aktion „Deutschland pro Papa“ wird zusammen mit großartigen Partnern wie „Kirche in Not“, dem Malteser-Hilfsdienst und vielen anderen das ihre dazu tun, dass viele Tausende nach Berlin, Erfurt und Freiburg kommen. Der Papst kommt – wir fahren hin!

Die Autorin ist Bundesvorsitzende der Solidaritätsaktion „Deutschland pro Papa“.