Gastkommentar: „Was ist der Mensch?“

Von Martin Lohmann

Die Kirchen rücken mit der diesjährigen Woche für das Leben ein wichtiges Thema ins Blickfeld. Eines, bei dem sich zunächst alles unproblematisch anhört. Es geht um etwas sehr Schönes – und um die tödliche Gefahr, die sich gleich mit einschleicht. Denn auf den ersten Blick ist es doch so nett und gut, wenn immer wieder von Wunschkindern gesprochen wird. Das ist auch verständlich, weil eigentlich jeder Mensch erwünscht und gewünscht sein sollte. Doch was bedeutet es konkret – im Blick auf einen unerfüllten Kinderwunsch? Den gibt es immer häufiger. Aber: Sind denn die technischen Möglichkeiten der künstlichen Befruchtung der richtige Weg zum Kind?

Die alte Frage taucht wieder auf: Darf man alles, was man machen kann? Dürfen Kinder auch „gemacht“ werden? Welche Gefahren im Blick auf die bedingungslose Würde eines jeden Menschen sind da? Müssen wir damit rechnen, dass künftig alles designed wird, dass man Kinder kataloggerecht bestellen kann? Wird alles, was nicht „passt“ und überzählig ist, wegselektiert?

Längst wird daran gearbeitet, den Embryonenschutz weiter zu durchlöchern. Andererseits wird mit dem nicht selten wegen der ursprünglichen Lebensplanung „ohne Kinder“ später auftretenden und länger unterdrückten Kinderwunsch häufig ein Geschäft mit falschen Hoffnungen betrieben. Zugleich gibt es – leider – immer mehr Ehepaare, bei denen der ganz normale Kinderwunsch unerfüllt bleibt. Das ist für diese ein von anderen nur schwer nachvollziehbares schmerzhaftes Kreuz. Keine Frage: Der Kinderwunsch ist nur zu menschlich. Aber die Selektion ist widermenschlich. Sie ist gefährlich – bis hin zur Vernichtung „unpassenden“ Lebens. Der Bundesverband Lebensrecht (BVL) unterstützt die Woche für das Leben auch diesmal wieder mit einer Fachtagung: Welche Methoden der Selektion gibt es? Wie sieht Rasterfahndung für das Leben vor der Geburt aus? Und: Wie kann man, ohne unmenschlich sein zu müssen, Wunschkinder auf natürlichem Wege bekommen?

Letztlich geht es vor allem um die Frage: Was ist der Mensch? Designer-Produkt oder Gottes Geschöpf? Wir müssen aufpassen, dass das Leben sein unbedingtes Recht bekommt – und bleibend behält. Es ist heute nicht ganz einfach, den richtigen und freien Blick auf das Leben und sein natürliches Recht zu haben und zu halten. Aber es ist möglich. Und absolut notwendig.

Martin Lohmann ist Vorsitzender des Bundesverbandes Lebensrecht (BVL).

Weitere Informationen: fachtagung.bv-lebensrecht.de