München

Gastkommentar : Verfolgt und vergessen?

An jedem Tag machen Gebet und materielle Hilfe für verfolgte Christen einen Unterschied. Sie brauchen uns mehr denn je.

2019: Ein blutiges Jahr für Christen
Viele bedrängte Christen fühlen sich vom Westen im Stich gelassen, meint Florian Ripka von Kirche in Not. Foto: stock.adobe.com

Das zu Ende gehende Jahr war eines der blutigsten für Christen. Die Nachrichten und Bilder von den Anschlägen auf Ostergottesdienste in Sri Lanka sind vielen noch im Gedächtnis. Doch es gibt auch eine Christenverfolgung, die sich „unter Ausschluss der Öffentlichkeit“ vollzieht. Bei „Kirche in Not“ gehen fast wöchentlich neue Horror-Meldungen ein. Zum Beispiel von der Anschlagsserie in Burkina Faso, wo allein in diesem Jahr mehr als 60 Christen getötet wurden. Viele Christen blicken jetzt voller Angst auf die Weihnachtstage …

Neuer Schwerpunkt der Christenverfolgung in Südostasien

Auch in Ländern wie Nigeria geht die islamistische Gewalt gegen Christen weiter. Ein neuer Schwerpunkt der Christenverfolgung liegt in Südostasien. Der IS hat dort offensichtlich neue Terrorzellen gebildet. Das verheißt nichts Gutes für die Zukunft. Viele bedrängte Christen fühlen sich vom Westen im Stich gelassen. Bischof Justin Kientega aus Burkina Faso etwa beklagte sich „Kirche in Not“ gegenüber bitterlich über den internationalen Waffenhandel. Christliche Minderheiten weltweit werden zu Leidtragenden und Sündenböcken dieser und anderer „Sündenfälle“ des Westens.

Religionsfreiheit ist kein Menschenrecht zweiter Klasse

Die Bundesregierung wird in Kürze erneut einen Bericht zur Lage der Religionsfreiheit vorlegen. Das ist ein wichtiger Schritt. Religionsfreiheit ist kein Menschenrecht zweiter Klasse. Dennoch scheinen der Politik Instrumente mit durchschlagender Wirkung zu fehlen – oder fehlt der Druck der Öffentlichkeit? Ein aktueller Report von „Kirche in Not“ zur Christenverfolgung stellt die Frage: „Verfolgt und vergessen?“. Nicht nur der bevorstehende Gedenktag für verfolgte und bedrängte Christen am 26. Dezember kann ein Anlass sein, diese Frage zu beantworten. Und an jedem Tag machen Gebet und materielle Hilfe für verfolgte Christen einen Unterschied. Sie brauchen uns mehr denn je.

Der Autor ist Geschäftsführer von „Kirche in Not“ Deutschland

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