Gastkommentar: Ungarn ist Europas Vorbild

Von Martin Kastler

Das hat viele überrascht. Zu Beginn der ungarischen Ratspräsidentschaft, die Anfang des Jahres begann und diese Woche endet, setzte Ministerpräsident Viktor Orban im Europäischen Parlament – unter vorwiegend finanz- und wirtschaftspolitischen Themen – einen besonderen Schwerpunkt: die Familienpolitik. Welch Raunen damals im Plenarsaal des Europäischen Parlaments! Als Querschnittsthema wollte der Regierungschef in allen zu behandelnden Papieren die Frage der Familientauglichkeit stellen.

Die demographische Entwicklung in Europa mahnt uns. Wir brauchen wieder mehr Kinder, mehr Geburten. Wir brauchen mehr traditionelle Familien mit Mutter, Vater und Kind. Das kann man nicht verordnen – Politiker können es aber glaubhaft vorleben. Europa sollte laut Orban der Kontinent der Kinderfreundlichkeit werden – er ist es nur in Teilen geworden. Es ist aber der Verdienst des evangelischen Christen Orban, dass heute wieder öffentlich über das bürgerlich-christliche Familienbild auf höchster Ebene geredet wird. Viele seiner Vorgänger als Ratspräsidenten vermieden es. Er setzte es ganz oben auf die Agenda!

Es ist eine fundamentale Frage unseres Kontinents, wie wir mehr echte Familienpolitik fördern können. Es steht uns gut an, den Anstoß zu einer Familienstrategie für die Europäische Union zu geben und den europäischen Familienbegriff zu prägen. Als Berichterstatter des Europäischen Jahres 2012 für „Aktives Altern und die Solidarität der Generationen“ habe ich selbst erfahren müssen, wie schwer sich bestimmte Kräfte in der EU mit christlichen Familienpolitikern tun – nur durch harte Verhandlungen und dank der Unterstützung der ungarischen Ratspräsidentschaft konnte der Familienaspekt erfolgreich in der EU-Strategie 2012 durchgesetzt. werden. Christliche Ideale wie die Unauflöslichkeit der Ehe, das Sittengesetz, den uneingeschränkten Schutz ungeborenen Lebens und eine echte „Pro-Familien-Politik“ haben mächtige Feinde im europäischen Establishment. Leider!

Umso schöner war es, wie Ungarn den Spieß umdrehte. Überzeugend haben die Ungarn ihre Ratspräsidentschaft auf den christlichen Wurzeln Europas gegründet. Eine seit langem vermisste Ehrlichkeit an der Führungsspitze Europas. Für das Jahr 2013 hat Ungarn vorgeschlagen, das „Europäische Jahr der Familie“ auszurufen. Die Initiative muss unterstützt werden – die Familien haben es verdient und die Ungarn auch!

Der Autor ist CSU-Europaabgeordneter und Bundesvorsitzender der Ackermann-Gemeinde.